Rezension

The Good, The Bad & The Queen

The Good, The Bad & The Queen


Highlights: Kingdom Of Doom // Green Fields // The Good, The Bad & The Queen
Genre: Pop
Sounds Like: Blur // Gorillaz // The Verve // Radiohead

VÖ: 22.01.2007

„The Good, The Bad & The Queen“, ursprünglich als Albumtitel gedacht, erst im Nachhinein zum Projektnamen entwickelt, lebt in der Außenwirkung vor allem von den großen Namen: Albarn, Allen, Simonon, Tong, Burton. Supergroup wäre eine übertriebene Bezeichnung, aber eine auffallende Häufung von hinlänglich bekannten Namen ist es.

Dabei merkt man das Wirken von Damon Albarns Mitmusikern kaum, weder Allens Drums noch Simonons Bass haben einen hervorstechenden Einfluss, auch Brian Burton (aka Danger Mouse) ist als Produzent vielleicht nicht offensichtlich erkennbar, aber eine Ähnlichkeit zum zweiten Gorillaz-Album - und selbst zu Gnarls Barkley - mag in Klang und Timbre bestehen.

Damon Albarn als – ungewollter – Mastermind dominiert. Die Tracks hätten etwas anders produziert ebenso gut als Gorillaz, oder aber sogar als Blur-Dub, veröffentlicht werden können. So aber haben wir es mit einem Album zu tun, das mangels eines besseren Namens – und Brit Pop wirkt unangemessen – als Cyber-Folk bezeichnet werden mag. Folk, weil der Einsatz der Gitarren einen schon in den ersten Takten in diese Richtung denken lässt. Cyber, weil der Klang und der Einsatz von Keyboard und Synthesizern (hören wir da Danger-Mouse-Werk?) dies nahe legen. Die ursprünglichen – von Afrika, insbesondere Nigeria – inspirierten Sounds hört man allerdings beim besten Willen nicht mehr durch, auch wenn sie zu konservieren, gerade ein Anliegen gewesen sein soll.

Eine Assoziation zum Thema Cyber-Folk sollte Chill-Out sein. In dieser Hinsicht wundert es nicht, wenn das Album in weiten Teilen – nahezu vollständig – leicht und sanft an einem vorbeigleitet. Nette, unaufgeregte Kompositionen, die sich gelegentlich nur verirren („History Song“), sind bestimmend. Songs voller Klage und Melancholie. Eine Bestandsaufnahme des Englands im beginnenden 21. Jahrhundert soll es sein. Eine endzeitliche, kriegsschwangere, vor allem aber resignierte Betrachtung ist es geworden. Offenbar zählt Albarn zu den Künstlern, denen der Krieg im Irak – oder zumindest der Krieg gegen den Terror, die (un)heilige Allianz aus Bush und Blair – schwer auf dem Gemüt lastet. Wie oben schon angeführt, sind Helden ihrer Instrumente wie Allen und Simonon kaum erkennbar an ihrer Mitarbeit. Gitarre und Klavier bestimmen, von gelegentlichen Soundspielereien ummalt.

Diese Einfachheit durchbrechen am ehesten „Three Changes“ – eine theatralische Nummer, einem Zirkus entsprungen, die auf „Parklife“ Platz gehabt hätte – so wie der Titeltrack, der sich glamourös und gleichzeitig verzerrt einen Platz in den eher noise-haltigen Räumen des Alternative sucht. Da er auch das Schlußstück ist, bildet er den Weckruf am Ende einer düsteren, bedeutungsschwangeren Reise, einem vernichtenden Traum: „Then the sun came out of the clouds/ … / we all got our energy back and started talking again/ it’s the blessed routine/ … /walking out of dreams with no physical wound at all.“ Nur die letzte Strophe ist wieder zynisch, aber nehmen wir den Ausblick doch positiv. Alles wird gut. Oder seien wir fatalistisch. Ist doch eh alles scheißegal. Schöne Musik. Lasst Euch davon nicht runterziehen.

Auch nicht vom brennenden London im Artwork. Für das ebenfalls Albarn, vor allem aber Simonon verantwortlich sind.

Oliver Bothe

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