Rezension
The Field
Cupid's Head
Highlights: A Guided Tour // No. No... // They Won't See Me
Genre: Minimal // Ambient // Industrial
Sounds Like: Fuck Buttons // Four Tet
VÖ: 27.09.2013
Die Beziehung zwischen Musik und Architektur ist keine Einbahnstraße. Nicht nur, dass soundoptimierte Räume für den Musikgenuss in Form von Konzerthäusern und ähnlichem konstruiert werden, auch die Musik an sich ist in der Lage, Räume zu schaffen. Diese sind zwar in erster Linie atmosphärischer Natur, je nachdem, wie viele Menschen sie gemeinsam wahrnehmen, müssen sie aber nicht weniger erlebbar oder imposant sein. Ein The-Field-Album (und dabei insbesondere „Cupid's Head“) trägt nicht nur großes Potenzial einer Raumkonstruktion mit sich, sondern ähnelt in seiner konsequenten Monotonie, gespickt mit immer wieder auftretenden kleinen Details, tatsächlich großer Baukunst.
Bis der Sinn eines Loops verstanden ist, muss der Track zuerst Schicht für Schicht abgetragen werden, genauso wie Axel Willner, der sich hinter dem Pseudonym verbirgt, den Song um den Kern-Loop aufgebaut hat. Er selbst sagt, dass er sich nach dem 2011 erschienenen „Looping State Of Mind“ so leer fühlte, dass er keine Ideen mehr für ein neues Album hatte. Dann entstand plötzlich dieser eine Loop, um den sich das Album wie von selbst aufbaute. „Dieser eine Loop“, damit ist das Herzstück von „No. No...“ gemeint, dem unanfechtbaren Highlight auf „Cupid's Head“. Unbarmherzig, ohne Temposteigerung oder -abfall erklingt das Vocalsample im Zehn-Sekunden-Takt, bis nach fünf Minuten der Bruch kommt, der in seiner Beiläufigkeit spektakulärer nicht sein könnte, während alle anderen Geräusche im Hintergrund verschwimmen.
Der Track steht par exellence für den Rest des Albums. Im Kontrast zu vorherigen Werken eher düster als freundlich (auch das Albumcover symbolisiert dies) geht der in Berlin lebende Schwede hier ans Werk. „20 Seconds Of Affection“ knistert, dröhnt, stampft und fungiert eher als Türsteher als ein -opener. Man muss schon genau hinhören, um in diesem Soundbrei die kleinen Variationen zu entdecken. Belohnt wird man dann jedoch mit Stimmungsvariationen, die bereits eine kleine Orgel evozieren kann. Die Kunst von The Field besteht dabei darin, die Sounds so zu wählen und zu platzieren, dass die Monotonie zur Klangkunst wird. Die Sounds auf „Guided Tour“ wechseln so unvermittelt, dass man die Variation leicht verpassen könnte. Achtet man aber auf jedes einzelne Bauteil, taucht man ein in die zirpende, sprudelnde Soundwelt Willners.
Diese wird leider nicht wenigen verschlossen bleiben. Nicht nur die teils weit über neun Minuten langen Tracks fordern dem Zuhörer einiges ab – Willner verlangt durchgehend vollste Konzerntration. Zum kollektiven Konsum sind die Sounds jedoch uneingeschränkt zu empfehlen. Die Songs laden trotz ihrer Komplexität zur Selbstauflösung geradezu ein und so werden sich nicht wenige finden, die „The Field“ lieber auf der Tanzfläche als im Wohnzimmer begegnen wollen. So groß auch die Wechselwirkung zwischen Ort und Musik hier sein mag, für jeden, der sich auf „Cupid's Head“ einlässt, gibt es viel zu entdecken.
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