Rezension

The Bony King Of Nowhere

The Bony King Of Nowhere


Highlights: Across The River // Night Of Longing // Lonesome Girl
Genre: Folk // Singer-Songwriter
Sounds Like: Nick Drake // Townes Van Zandt // Leonard Cohen // Bob Dylan

VÖ: 25.01.2013

Die Geschichte um den Drittling von The Bony King Of Nowhere ist ungewöhnlich und zugleich doch so typisch, wie die Entstehungsgeschichte eines Albums nur sein kann. Zurückgezogen in den Wald, irgendwo in einer Hütte in den Ardennen, arbeitete der Belgier Bram Vanpary an neuen Songs. Ganz alleine wollte er diesmal alles in die Hand nehmen: keine üppigen Arrangements, keine Gastmusiker, nur er, die Gitarre und seine Songs. So entstanden neun Songs, die er mit ins Studio nahm, um nach acht Tagen unzufrieden alles über den Haufen zu werfen und in einer einzigen Nacht nochmals aufzunehmen. Wer muss da nicht an Nick Drake denken oder an Josh T. Pearson, von denen auch Alben wie aus einem Guss scheinen, die im Laufe einer Nacht entstanden sind, denen man die gebündelte Konzentration und den aufreibenden Aufnahmeprozess anhört?

Ist das selbstbetitelte Album von The Bony King Of Nowhere in dieselbe Kategorie einzuordnen wie die Meisterwerke, die die großen Singer-Songwriter in den 70ern hervorgebracht haben? Es ist eine schwierige Frage, die sich nicht leicht beantworten lässt. Denn Vanparys Alben klingen genau so, als würden sie aus eben dieser Zeit stammen. Vielleicht wäre The Bony King Of Nowhere heute auch einer der großen Helden dieser Zeit, wenn seine Alben damals entstanden wären. So hingegen ist Vanpary ein Musiker, der mit seinen nostalgisch anmutenden Songs nicht so recht in unsere Zeit passen will. Doch muss er das überhaupt? Was spielt es überhaupt für eine Rolle, aus welcher Zeit seine Musik stammt? Schließlich sind die Alben von Leonard Cohen, Nick Drake und Bob Dylan auch heute noch genauso hörenswert wie früher. Liegt darin nicht die große Stärke des Folk, dass ihm die Zeit nichts anhaben kann, weil er sich abseits von Modeerscheinungen abspielt und aus seiner Einfachheit seine Stärken zieht?

Denn fest steht: Bram Vanpary schreibt große Songs und ist ein ausgezeichneter Sänger. Vielleicht wird dies in den reduzierten Songs seines neuen Albums noch deutlicher, doch im Grunde ist sein Drittwerk genauso gelungen wie der Vorgänger „Eleonore“ und strahlt eine Souveränität aus, die einem das Gefühl gibt, dass man sich auf The Bony King Of Nowhere auch in Zukunft wird verlassen können. Tatsächlich klingt dieses Album sehr geschlossen. Jeden dieser Songs erfüllen eine tiefe Sehnsucht und eine melancholische Grundstimmung, die sich durch das ganze Album zieht, aus welcher Perspektive Vanpary seine Geschichten auch erzählen mag. Wer diesem Album einen Mangel an Innovation vorwirft, hat nicht verstanden, dass es The Bony King Of Nowhere darum überhaupt nicht geht. Hier geht es um einfache, gute und wunderbar poetische Folksongs – um nicht mehr und nicht weniger. Wer das begreift, wird auch mit Vanparys neuem Werk wieder viel Freude haben.

Kilian Braungart

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