Rezension

The Big Pink

Future This


Highlights: Jump Music // Lose Your Mind // Hit The Ground
Genre: Indierock
Sounds Like: Depeche Mode // MGMT // The XX // The Verve

VÖ: 13.01.2012

„A Brief History Of Love“ hieß das vielbeachtete Debüt zweier Engländer, das 2009 das Licht der Musikwelt erblickte. Darauf versammelte das Duo frech geklaute Elektroniksamples und große Melodien, die zwischen Komplexität und Eingängigkeit pendelten. „A Brief History Of Love“ war beides – Musik für den Kopf und für die Beine. Nun folgt „Future This“, der Nachfolger, und entgegen erster Ankündigungen ist dieser kein Album mit Rap-Anleihen geworden.

Zum Glück, möchte man meinen. Stattdessen machen die beiden dort weiter, wo „A Brief History Of Love“ aufhörte: „Stay Gold“ heißt der erste Song und auch eine Single des Albums. Schnell ist das alte Schema wieder gefunden – Strophe – Refrain – Strophe. Banaler könnte es nicht sein und dennoch steckt so viel große Kunst in dem, was The Big Pink hier dem Hörer vorsetzen, dass es nie langweilig wird. Ein pfeifender Orgelton als Intro und die große Geste als Refrain. Von der ersten Sekunde an glattgebügelter, radiotauglicher Pop, allerdings einer von der Sorte, der nicht panisch den Knopf zum Umschalten suchen lässt. „Hit The Ground (Superman)“ knüpft nahtlos daran an. Möglicherweise fangen solche Stücke irgendwann einmal an zu nerven, wenn sie zu oft laufen – allerdings kann bis dahin noch viel Zeit vergehen.

Gemixt wurde „Future This“ von Alan Moulder, bekannt geworden durch seine Arbeit mit Depeche Mode. Der Einfluss dieser Hand lässt sich nicht verleugnen, gerade der massive Einsatz breiter Synthesizer lässt Ähnlichkeiten im Sound erkennen. Allerdings sind The Big Pink (von „The Palace“ und „77“ mal abgesehen) wesentlich dynamischer. Bemerkenswert ist die Fähigkeit der Band, jedem Song einen Refrain zu verpassen, der – ob es zum vorherigen Teil passt oder nicht – dafür sorgt, dass sich eine Melodie im Ohr festsetzt, die spätestens beim dritten Hören locker mitgesummt werden kann. Von der Struktur der Songs her weist die Musik der Band eine recht große Ähnlichkeit zu „Ceremonials“ von Florence & The Machine auf, nur dass hier der Pathos nicht über allem schwebt.

Mit „Jump Music“ und dem Übersong „Lose Your Mind“ hat das Album sogar zwei Stücke, von denen man im Januar schon sagen kann, dass sie das Potential für im Dezember erscheinende Best-Of-Listen haben. Zusammen genommen ist „Future This“ als Album sehr homogen, der beschriebene Sound wird konsequent durchgezogen und vermeidet so große Ausfälle, die Brüche im Albumfluss verursachen könnten. Kurzum: Diese Platte ist durchweg gelungen.

Klaus Porst

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Stream von "Hit The Ground (Superman)"

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