Rezension

Stephen Malkmus

Traditional Techniques


Highlights: What Kind Of Person // Juliefunkingette // The Greatest Own In Legal History
Genre: Folk // Weltmusik
Sounds Like: A Hawk And A Hacksaw // Beirut // Pavement

VÖ: 06.03.2020

Auf dem diesjährigen Primavera-Festival in Barcelona und Porto ist es nach einer Dekade endlich wieder soweit und eine der wichtigsten Indie-Bands aller Zeiten steht wieder auf der Bühne: Pavement! Allen Spekulationen über weitere Gigs und neue Musik erteilte Frontman Stephen Malkmus jüngst eine Absage. Pavement seien eine Sache der 90er Jahre und da soll auf den Festivals gefeiert werden – mehr aber auch nicht.

Einen kleinen Trost gibt es jedoch, denn Stephen Malkmus bringt im dritten Jahr in Folge ein Album raus. Nach den letzten beiden Werken kann das sogar mehr als ein wenig Trost spenden. Zusammen mit seiner Gruppe The Jicks wurde 2018 eine unfassbar starke Indierock-Platte rausgegeben, die mit dem Werk der 90er-Jahre-Helden Pavement mithält. Letztes Jahr gab es dann ein überraschendes, aber sehr gelungenes Synth-Pop-Album. Dass der Plan zu experimentieren aufging, scheint Malkmus Auftrieb zu geben, weiter zu experimentieren und nun veröffentlicht er mit „Traditional Techniques“ ein experimentelles Folk- und Weltmusikalbum mit außergewöhnlichen akustischen, traditionellen Instrumenten aus unterschiedlichen Teilen der Welt.

Ähnlich wie beim Vorgänger „Groove Denied“ startet die Scheibe mit einem Track, der zeigt, dass der neue Stil ernst gemeint ist, aber dennoch den Hörer leicht überfordert zurücklässt. Der Instrumentalteil und der orientalisch angehauchte Sound sind keine leicht verdauliche Kost. Danach wird das Album eingängiger und komplexe Folkarrangements passen sich den Songs an. Manchmal funktioniert dies wunderbar, wie unter anderem bei „What Kind Of Person“ oder „The Greatest Own In Legal History“ und vor allem beim herausragenden Finale „Juliefuckingette“. Das ist ein wunderbarer Hit zum Abschluss des Albums und genau so wünscht man sich die perfekte Symbiose aus Malkmus-Sound und Folkmusik. An anderen Stellen hingegen verlieren sich die Tracks manchmal ein wenig in der Technik der Musiker und der Zugang für den Hörer ist schwierig. Alles wird jedoch zusammengehalten durch Malkmus' unaufgeregten Slacker-Gesang. Dieser passt sich, wie auch auf dem Vorgänger, nicht dem Rest an und bildet einen zugänglichen, eingängigen Kontrast zu den Arrangements.

„Traditional Techniques“ ist ohne Zweifel eine gute Platte und ein weiterer Meilenstein in der Biographie eines Ausnahmekünstlers. Manchmal liegt hier der Fokus zu sehr auf der Komplexität der Musik und es wirkt doch etwas verkopft und konstruiert. Oft wird angedeutet, welches Potential dieser Sound hat und man darf gespannt sein, wie sich dieser weiterentwickelt. Vielleicht auch gar nicht und es folgt nächstes Jahr ein Hip-Hop-Album. Dagegen wetten würden wir nicht – doch insgeheim wünschen wir uns natürlich, dass die alten Helden Pavement wieder zusammenkommen und mehr als „ein Ding der 90er Jahre“ sind.

Marian Krüger

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