Rezension

Stephen Malkmus

Groove Denied


Highlights: Come Get Me // Bossviscerate // Ocean Of Revenge // Grown Nothing // Viktor Borgia
Genre: Elektro // Synth-Pop // Alternative Rock
Sounds Like: Human League // Pavement // Alphaville // Stephen Malkmus & The Jicks

VÖ: 15.03.2019

Stephen Malkmus ist wahrscheinlich der coolste Typ der Welt. Mit der vielleicht wichtigsten Indie-Band überhaupt, Pavement, veränderte er die Musikwelt. Es folgten einige andere Band-Projekte und unzählig viele Alben. Zusammen mit seiner aktuellen Band The Jicks brachte er mit „Sparkle Head“ eine der besten Platten 2018 raus und nun ein Solo-Elektro-Album.

Wenn jemand wie Stephen Malkmus angibt, dass er ein Dance-Album herausbringt mit dem Titel „Groove Denied” muss man zweimal nachfragen, ob das ein Scherz ist. Das letzte Pavement-Album „Terror Twilight” von 1999 nannte Stephen Malkmus damals eine überproduzierte 100.000-Dollar-Platte. Nun wird richtig produziert, mit einem Album ohne Gitarre und mit viel Synthesizer.

„Belziger Faceplant“ zeigt gleich zu Beginn, dass er es ernst meint mit dem Elektro-Album. Es scheppert gut los, hat jede Menge schräge Töne und dazwischen schiefen Gesang. Ein Alles-oder-Nichts-Einstieg, der sogar leicht an der Nervgrenze kratzt, aber trotzdem einen coolen Sound hat. Etwa wie ein Pavement-Sample in einem Berliner Club. Das passt, denn eben in diesen hat sich Stephen Malkmus seine Inspiration geholt.

Jetzt wird es aber erst richtig schräg und das soll nicht negativ gemeint sein. Es folgen Songs irgendwo zwischen Human League, Soft Cell und The Cure – abgefahren. „Viktor Borgia“ ist vielleicht der Inbegriff von Synthiepop der 80er-Jahre. Man darf dieses Genre natürlich musikalisch furchtbar finden, aber diese Songs sind einfach sehr gute Versionen davon und machen Spaß. Das einfach als Pop abzutun, ist auch nicht korrekt, weil es immer etwas schräger daherkommt und der Sound auch ein wenig stören will.

„Come Get Me“ leitet dann einen herausragenden Übergang ein. Jetzt vermengt sich elektronische Musik mit dem klassischen Pavement-Sound und Hook-Elementen. Ein absolutes Highlight auf der Platte, welches Genres zusammenbringt und etwas Eigenes, Neues schafft. Es folgt ein Chill-Out-Elektro-Song. Die Party ist vorbei, das Album aber noch nicht. Alles wandelt sich und die zweite Seite hat nun ganz klar auch Pavement-Elemente mit viel Gesang, schrägen Texten, aber trotzdem anders, denn weiterhin mit Soft-Synthie-Sounds.

Man darf hier kein klassisches Stephen-Malkmus-Album erwarten und man muss sich in die neuen Sounds auch erst einmal einhören, aber dann offenbart sich ein großartiges Album. Mit 53 Jahren ist Stephen Malkmus immer noch eine coole Socke und zeigt, dass man zeitgleich an seinen Sounds festhalten und sich trotzdem weiterentwickeln kann. Irgendwie ist mir jetzt klar, warum viele die 80er-Jahre-Musik für trashig halten: Weil den Sounds Stephen Malkmus' Coolness und unverkennbare Stimme und Stimmung fehlten.

Marian Krüger

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Video zu "Come Get Me"
Video zu "Victor Borgia"

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