Rezension

Soap&Skin

From Gas To Solid / You Are My Friend


Highlights: Italy // (This Is) Water // What A Wonderful World
Genre: Kammerpop // Singer-Songwriter
Sounds Like: CoCoRosie // Fever Ray // Dillon // Sophie Hunger

VÖ: 26.10.2018

Mit ihrem Debüt „Lovetune For Vacuum“ begeisterte Anja Plaschg vor neun Jahren die Kritiker. Leicht verschrobene Popmusik, kühl-entrückte Stimmfarbe, die nicht selten an Nico erinnerte und auch immer noch erinnert. Drei Jahre später der Nachfolger „Narrow“, der mit einem etwas rockigeren Einschlag daher kam. Dann viel Film und Theater, die Geburt der Tochter und eine Weile erstmal nichts. Ob jemals noch ein Soap&Skin-Album herauskommen sollte, war ungewiss. Auch weil das gar nicht Plaschgs Anspruch ist – immer zu liefern. Musik versteht sie als Output, den sie immer nutzt, um etwas zu verarbeiten, nicht etwa als Selbstzweck.

Und nun, sechs Jahre später, kommt mit „From Gas To Solid / You Are My Friend“ doch noch ein neues Album heraus und das beschäftigt sich, im Gegensatz zu den Vorgängern, mehr mit dem Leben als dem Tod und kommt lyrisch etwas bejahender daher, was spätestens die großartige Coverversion von „What A Wonderful World“ am Ende der Platte zeigt. Musikalisch ist auch „From Gas To Solid / You Are My Friend“ maximal beklemmend. Vom Klavier und Plaschgs kühl-abwesender Stimme getriebener Kammerpop, elektronisch unterlegt und mit Versatzstücken verschiedenster Instrumente von Bläsern bis Streichern angereichert – geschrieben und aufgenommen aber alleine in Plaschgs Wiener Wohnzimmer. Heraushören kann man es aus diesem epischen Songkonstrukt nicht. „(This Is) Water“ wartet mit beängstigendem Stimmchor auf, „Foot Chamber“ ist von Gläsern und Glockenspiel und „Sorrunded“ von Streichern dominiert. Das klingt episch groß und entfernt, Plaschgs Stimme jedoch schlägt die Brücke zwischen dieser potentiell großen musikalischen Geste und der Unmittelbarkeit dieser herrlich kühlen Songs. Die eigenwillige und richtige Interpretation des längst duchgenudelten Armstrong-Covers „Wonderful World“ am Ende beweist dies zum Albumfinale hin nochmal eindrucksvoll.

Das sind große Gefühle. Das ist verschroben und ehrlich, weird und folgerichtig und umso toller, dass Plaschg mehr und mehr internationale Bühne erhält. Das hier kann der Start einer großen Pop-Karriere sein. Sofern Plaschg auch nach diesem wieder ein neues Album aufnimmt. Zu wünschen wäre es, denn auf diese wunderbaren Songs lässt es sich nur schwer verzichten.

Andreas Peters

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