Rezension

Smoke Blow

The Record


Highlights: Broken Bonds Of Friendship // Summer Of Betrayal // Transylvanian Frost
Genre: Hardcore/Punk
Sounds Like: Suicidal Tendencies // Misfits // Black Flag

VÖ: 05.02.2010

So Jungs, Schluss mit Kindergeburtstag: War „Colossus“ zwar kein schlechtes Album, aber gemessen an früheren Kopfnusscompilations wie „German Angst“ doch ungewohnt straight, dank teilweise deutschem Gesang manchmal fast poppig und sich anscheinend stellenweise sowieso selbst nicht ganz ernst nehmend – Penisroboter auf dem Cover my ass. „The Record“ reißt das Steuer jetzt wieder herum – back to the roots, Fickfresse.

Wirklich melodieverliebt waren Smoke Blow zwar noch nie, doch zeigt der Kieler Haufen nun umso nachdrücklicher, dass ihre einzigen diesbezüglichen Emotionen wahrscheinlich „Auf's-Maul-Verliebtheit“ getauft werden müssen. Bereits der Opener „Broken Bonds Of Friendship“ macht keine Kompromisse, lacht so gut wie jeder anderen deutschen Band, die sich „Punk“ nennen will, einfach mal beherzt ins Gesicht und legt ein Tempo und eine Energie vor, die nach kurzem Zwischengroove („Evil Leaf“) von „Summer Of Betrayal“ gleich wieder aufgenommen werden. Moshpit bitte nicht ohne Lebensversicherung.

Natürlich ist auch hier wieder etwas die Krux, dass ein Hardcore-/Punkalbum, das wie „The Record“ einigermaßen problemlos als „true“ bezeichnet werden könnte, wirkliche Abwechslung eher spärlich gesät ist: Mal wird ein Akustikgitarrenintro vorgeschoben, mal klingen einzelne Songs etwas doomiger, aber im Endeffekt endet eigentlich doch jeder Song irgendwie damit, dass Gitarre-Bass-Schlagzeug als unaufhaltsame Phalanx nach vorne dreschen und sich Jack Letten und MC Straßenkötzer abwechselnd die Ohren vollbölken. Das ist natürlich im Endeffekt relativ Latte, wenn die Songs individuell so gut sind wie „Transylvanian Frost“ oder „I Have Lived In The Monster“.und dass Smoke Blow jemals eine Band sein wollten, deren Werk man kopfhörertragend und roséweinschlürfend auf Nuancen untersucht, ist auch zu bezweifeln. Wer stattdessen einfach mal wieder den Hardcore alter Tage zelebrieren will, kann dies hiermit tun – den Zahnarzttermin am besten vorher schon buchen.

Jan Martens

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