Rezension

Sleigh Bells

Reign Of Terror


Highlights: Crush // Comeback Kid // Road To Hell
Genre: Noisepop
Sounds Like: Cults // Crystal Castles // M.I.A. // HEALTH // The Raveonettes // No Age // Cloud Nothings // Santigold // Architecture in Helsinki

VÖ: 17.02.2012

Was Sleigh Bells mit ihrem Debütalbum Ende 2010 lostraten, kann durchaus als kleiner Hype bezeichnet werden. "Noisepop" passt wohl noch am ehesten auf die krude Mixtur aus den glockenhellen Vocals von Sängerin Alexis Taylor, den wütenden Gitarrenriffs von Bandkopf Derek Miller (ehemals Poison The Well) und den druckvollen Beats, die in Ermangelung weiterer Bandmitglieder dem Drumcomputer entstammen. Die Zeit des Kellnerns – das Duo hatte sich so an Millers Arbeitsplatz kennengelernt – dürfte damit wohl vorbei gewesen sein.

Zu Beginn des Zweitwerks "Reign Of Terror" wird das alte Erfolgsrezept zunächst wieder aufgewärmt. "True Shred Guitar" fokussiert sich wie der Titel schon sagt vordergründig auf die sägenden Gitarren Die machen den Song zwar aggressiv, jedoch verpassen es Sleigh Bells, den Brückenschlag zu den starken Melodien zu vollziehen, mit denen sie auf ihrem Debüt noch durch die Bank punkten konnten. In den folgenden Tracks sind selbige jedoch wieder klar auszumachen. Insbesondere die Single "Comeback Kid" und "Road To Hell" tun sich hier hervor. Ihrem offensichtlichen Bestreben, die Soundtiefe ihrer Songs gegenüber denen auf "Treats" zu erhöhen, kommen Sleigh Bells durch eine kleine Stiländerung nach: durch gezielte Tempoverschleppung und zahlreiche Halleffekte wirkt die Musik des Duos nun etwas mehr in die Breite gezogen, wodurch "leere" Stellen zunehmend der Vergangenheit angehören.

Auch die stellenweise brachial durchgezogene, künstliche Doublebass gab es vorher noch nicht. Allerdings scheint diese manchmal eher kleine Schwächen im Songwriting zu kaschieren beziehungsweise zu übertönen und kann sich nicht immer stimmig in die Songs einfügen – so beispielsweise in "Born To Lose", das ohne das Geprügel ein deutlich besserer Song wäre. Ihre stärksten Momente haben Sleigh Bells nach wie vor dann, wenn sie ihre maximale Catchiness in die Waagschale werfen und im Twee-Pop-Revier von Cults, Architecture in Helsinki und Konsorten wildern. Doch auch in jenen Momenten wird jede Tendenz zur Verweichlichung durch die schroffen Gitarren im Keim erstickt. Und das ist auch gut so, denn andernfalls liefen Sleigh Bells Gefahr, nach und nach austauschbar zu klingen. So aber hinterlässt auch das Zweitwerk einen erfrischenden Eindruck.

Johannes Neuhauser

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"Comeback Kid", "Crush" und "End Of The Line" auf Soundcloud

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