Rezension

Skrillex

Recess


Highlights: Stranger // Coast Is Clear // Ease My Mind
Genre: Brostep // Dubstep// HipHop
Sounds Like: Noisia // Kill The Noise // Fatman Scoop // The Knife

VÖ: 14.03.2014

Nach einer Handvoll EPs erscheint es nun spontan und unerwartet: Das Debütalbum von Sonny Moore aka Skrillex. Obwohl die EP „Bangarang“ vielfach schon als Album gewertet wurde und auch als solches Preise abräumte, ist „Recess“ nun der erste „richtige“ Longplayer des umstrittenen Künstlers. Umstritten, denn Skrillex polarisiert und zieht für seinen Stil Gespött auf sich, wie sonst höchstens Justin Bieber. Den Maximalstil – maximale Lautstärke, überladene Arrangements und ständig aufs Neueste losballernde Sounds – sehen einige als Innovation, andere als den Untergang handgemachter Musikkultur. Dabei ist Skrillex jedoch vor allem eines: großformatiges Unterhaltungskino. Und so, wie sich der neueste Action-Superhelden-Ballerfilm etwas seltsam auf den Filmfestspielen in Cannes machen würde, passt Skrillex nicht ins gängige Kulturschema vieler Musikfans – gehört aber doch eben irgendwie dazu.

Schnell wird dieses Dilemma auch auf „Recess“ offenbart – zum einen Stücke, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, wie zum Beispiel das Titelstück, bei dem Sprachroboter Fatman Scoop sein repetitives „Put Ya Hands Up“ immer wieder zu einem Bollerbeat herumschreit. Der Albumopener „All Is Fair In Love And Brostep“ ist ebenfalls genau der Stil, den man kennt – größtmögliche Effekthascherei und Beatgeballer. Andererseits bekommt man es mit „Stranger“ zu tun, einer unglaublich groovigen Synthiepopnummer, die einen unfassbaren Ohrwurmcharakter hat – und zwischendurch nach Soundspielereien von The Knife klingt. Dazu versucht sich Moore an Proll-HipHop („Dirty Vibe“), um wenig später Reggae-Dubstep („Ragga Bomb“) aufzugreifen. „Coast is Clear“ ist ein astreiner Soul/Blues-Song. Dazu gibt es jedoch mit „Ease My Mind“ und „Fire Away“ völlig untypische Songs, die ihm zwar keine neuen Fans verschaffen, aber alte verschrecken werden.

Denn auf Albumlänge gesehen ist Skrillex deutlich mehr dem Pop und (Großraum-)Discosound zugewandt, das absehbare Gefeuer aus allen Rohren hält sich sehr in Grenzen. Klar, es gibt sie, die Stücke, in denen man die woop-woop und düp-düp-düp-Beats, die hierzulande höchstens benutzt werden, um Scooters Sound zu beschreiben findet, aber diese Songs sind deutlich in der Unterzahl. Skrillex holt nicht mehr das maximal Mögliche aus den Tracks, auch die Breaks sind weniger scharf und brachial wie sonst. Stattdessen hat man das Gefühl, dass Moore umso mehr versucht, klare, durchweg auf einem Level bleibende Songs mit Struktur zu erschaffen – und sich dabei weit außerhalb seiner üblichen Dekonstruktion bewegt.

Klaus Porst

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