Rezension

Six Organs Of Admittance

Luminous Night


Highlights: Actaeon’s Fall (Against The Hounds) // Bar-Nasha // Enemies Before The Night
Genre: Psychedelic // Freak-Folk // Experimental
Sounds Like: Espers // Arborea // Pentangle // Fairport Convention

VÖ: 04.09.2009

Mit “Luminous Night” ergänzt Ben Chasny, der Kopf hinter Six Organs Of Admittance, seine schier unüberschaubare Diskografie um ein weiteres Werk. Dass ihm aber längst noch nicht die Ideen ausgehen, zeigt er mit diesem überraschend melödiösen und eingängigem Album.

Mit einem Ausflug in die griechische Mythologie beginnt „Luminous Night“ und nimmt sich in einem archaischen Intro dem tragischen Schicksal des Jägers Actäon an. Zunächst wird das Hauptmotiv von der Akustikgitarre vorgetragen, der sich Streicher und Flöte anschließen, bevor der Song dem Drang, in dunklere Gefilde zu entschwinden, nachgibt und schließlich doch wieder zum Ausgangspunkt zurückfindet. Die Flöte ist es auch, die tänzelnd die Verbindung zu „Anesthesia“ herstellt, in dem man zum ersten Mal auf „Luminous Light“ Chasnys wackelige Stimme zu Hören bekommt.

Nach diesen beiden langsam dahingleitenden Stücken nimmt in „Bar-Nasha“ der Rhythmus die dominierende Rolle ein. Die Tabla treibt den Song voran, gibt ihm eine indische Note und verdankt seine düstere Atmosphäre nicht zuletzt den dröhnenden E-Gitarren, die immer wieder hervorbrechen. „Cover Your Wounds With The Sky“ geht einen weiteren Schritt in Richtung Drone und verzichtet auf jegliche Rhythmik. Nur hin und wieder eingeworfene helle Klavierakkorde nehmen dem Stück etwas von seiner Schwere. In „Ursa Minor“ durchdringen verquere elektronische Klänge das einfache melodiöse Gerüst, ohne dass der Song komplett ausufert. Nach diesem von der Gitarre dominierten Stück darf in „River Of Heaven“ Eyvind Kang sein Können an der Viola unter Beweis stellen. Mit spielerischer Leichtigkeit bewegt er sich auf dem Soundteppich, den Ben Chasny für ihn ausgebreitet hat. „The Ballad Of Charley Harper“ zeigt sich wieder etwas braver, bevor „Luminous Night“ mit dem finsteren „Enemies Before The Light“ penetrant in immer düstere Klangwelten vordringt und in waberndem Noise ausufert.

„Six Organs Of Admittance“ hat immer etwas Verschrobenes an sich, und doch handelt es sich hier um eines der eingängigeren Werke Ben Chasnys. Obwohl „Luminous Night“ ein breites musikalisches Spektrum abdeckt, fällt es hier nicht allzu schwer, den meist prägnant gehaltenen Songs zu folgen. Und doch ist man nach dem Hören dieses Albums ziemlich geschafft. Die düsteren Bilder, die „Luminous Night“ heraufbeschwört, hinterlassen ihre Spuren. Man muss sich schon im Klaren darüber sein, worauf man sich hier einlässt.

Kilian Braungart

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