Rezension

Razorlight

Razorlight


Highlights: America // In The Morning // Who Needs Love?
Genre: Pop
Sounds Like: Franz Ferndinand // Bruce Springsteen

VÖ: 18.08.2006

Jetzt mal ehrlich: Warum hasst ganz Indie-Deutschland dieses Album? Sind wir so übersättigt? Oder würde auch ich es verachten, wenn mir das Debut bekannt wäre?

Ach Scheiß drauf. Ich mag es. Hätten Peter, Bjorn and John nicht das Sommeralbum 2006 abgeliefert, stände dieser Titel Razorlight zu. Pop as Pop can. Ich bin verschossen in diesen Springsteen’schen Amerika-trifft-UK-Pathos. Das ist schön. Es tut nicht weh, aber Nettigkeit bildet hier mal wirklich kein Verbrechen. Die Texte von „America“, „In The Morning“ oder „Who Needs Love?“ mögen platt wie eine Flunder sein, aber es gibt Musik, da sind Texte egal.

Wenn „Before I Fall To Pieces“ unbekümmert und unbeschwert losstürmt, schaltet das Gehirn ab und der Pop wird genossen. Wo Scissor Sisters und Lily Allen reindürfen, darf dieser selbst betitelte Zweitling erst recht rein. Insbesondere wenn sich aus der schönen Melodie der Strophe und der ebenso schönen des Refrains ein kleiner Rocker erhebt – „I Can’t Stop This Feeling I Got“.

Entgegenhalten kann man dem Album vielleicht, dass es weder Ausreißer nach oben noch nach unten gibt. Aber wann beschwert man sich schon, dass etwas gleich bleibend gut ist, häh? Wo „Pop Song 2006“ im Schnitt des Albums nett ist, könnte „Kirby’s House“ tatsächlich für spätere Generationen einer der Songs 2006 sein, „Back To The Start“ wiederum verfolgt das gleiche Konzept wie das gesamte bisherige Schaffen der Franz Ferdinande. Es soll getanzt werden.

Der Walzer beschließt das Album, wo er in der Regel den Ball eröffnet. Sollte sich wirklich jemand beschweren, „Los Angeles Waltz“ sei zu kitschig, bekommt er einen klebrigen Mozzarella-Ball in den Mund gestopft, dann ist Ruhe, und ich kann mich ungestört im Takt wiegen. Also Maul, ihr „um billigen Distinktionsgewinn bemühte Mainstream-Verächter“ – wie der Wigger schreibt.

Oliver Bothe

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