Rezension

Rachael Yamagata

Elephants...Teeth Sinking Into Heart


Highlights: Elephants // What If I Leave // Sunday Afternoon // Horizon
Genre: Singer/Songwriter // Rock
Sounds Like: Cat Power // Vienna Teng // Maria Taylor // Lisa Hannigan

VÖ: 24.04.2009

Auch wenn kaum einer Rachael Yamagata und ihr erstes Album „Happenstance“ kennen mag, so lohnt es sich in diesem Fall sogar, vielleicht zuerst mit diesem Album anzufangen, bevor man sich mit „Elephants...Teeth Sinking Into Heart“ beschäftigt. Erst dann kommt man nämlich so richtig in den Genuss, dem Entwicklungsprozess einer talentierten Musikerin hautnah beizuwohnen. Was vier Jahre Schaffenspause so alles ausmachen können, wird hier geradezu beispielhaft deutlich.

War „Happenstance“ noch eine jugendlich unbelastete Weltschau (obwohl Rachael Yamagata damals schon Mitte Zwanzig) in größtenteils poppigem Gewand, aus der sogar einige Chartsplatzierungen resultierten, so ist ihr zweites Album das Werk einer erfahrenen Frau geworden. Einer Frau mit zwei ganz unterschiedlichen Facetten, die es konsequenterweise auf zwei verschiedenen CDs zu hören gibt.

„If the elephants have past lives / Yet are destined to always remember / It´s no wonder how they scream / Like you and I they must have some temper”

“Elephants” ist ruhig. Beinahe so ruhig, dass man auf der Stelle einschlafen könnte, wenn man nicht genau zuhört, was ein fataler Fehler wäre. Rachael Yamagatas so unglaublich Wärme spendende Stimme wird meistens nur durch ihr Piano, Akkustikgitarre und einige Streicher begleitet. Ab und an verstärkt ein Schlagzeug die Atmosphäre, wie zum Beispiel in dem todtraurigen, aber wunderschönen Titelsong. Besonders eindrucksvoll wird es aber immer dann, wenn die klassischen Prinzipien des Singer/Songwritertums aufgelöst werden und mit „Sunday Afternoon“ und „Horizon“ wahre Epen entstehen. Hier nimmt sich Rachael Yamagata dann auch mal zurück, lässt in Red-House-Painters-Manier einfach mal die Instrumente im Raum stehen, um dann wieder mit ihrem rauchigen Timbre dazuzustoßen. Klar, dass diese Stimme auch geradezu nach Duetten schreit und daher lassen sich weder Ray LaMontagne („Duet“) noch Maria Taylor („Brown Eyes“) lange bitten und leisten einen guten Beitrag zu einer fantastischen ersten Platte.

„And I am dreaming of them with their kill / Tearing it all apart / Blood dripping from their lips / Teeth sinking into heart“

Die andere Seite der Rachael Yamagata ist wild und selbstbewusst. Nicht umsonst prangt der „Parental Advisory“-Hinweis auf dem Cover. Es geht wesentlich rockiger zu mit E-Gitarren und viel Uptempo. Ein Gesicht, das ihr wesentlich weniger steht und bei „Sidefish Friend“, „Accident“ und „Faster“ sogar überhaupt nicht schön ist. Ein wenig wie Pink, nur ohne Nervrebellentum. Immerhin gibt es mit „Don´t“ noch einen schönen Stehblues, der auch Cat Power gut gestanden hätte.

Es wäre wahrscheinlich schlauer gewesen, die zweite CD einfach nur als EP irgendwann rauszubringen. So verschlechtert sich der Gesamteindruck von „Elephants...Teeth Sinking Into Heart“ unter dem Strich doch noch ein wenig. Der erste Teil für sich gesehen ist aber große Songwriterkunst, den es gerade vor dem Hintergrund der musikalischen Entwicklung durchaus zu entdecken lohnt.

Benjamin Köhler

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