Rezension

Peter Bjorn And John

Writer's Block


Highlights: The Chills // Young Folks // Amsterdam
Genre: Pop
Sounds Like: Shout Out Louds // Caesars // The Coral

VÖ: 21.07.2006

Nehmt den Schweden die Gitarren weg! Oder anders, wie viele Bands wollen die Schweden denn noch exportieren. Nicht, dass es bei Peter Bjorn and John sofort funktioniert hätte. Ihr drittes Album ist „Writer’s Block“ bereits und erreichte uns im Sommer 2006. Aber auch jetzt im so wenig winterlichen Dezember 2006 schafft es diese Platte, Herzen zu erwärmen und hippe junge – vielleicht gar frisch verliebte – Menschen zum Pfeifen zu bringen.

OK, das mit dem Pfeifen mag mit der Sommersingle „Young Folks“ zu tun haben, die nicht nur wegen der Gastvocals von Viktoria Bergsman ein echter Ohrwurm ist. Vielleicht die Indie-Hymne des Sommers 06, zumindest hat sie wahrscheinlich jeder schon einmal gehört. Aber auch in „Amsterdam“ wird gepfiffen.

Dass die drei – Peter (Morén), Bjorn (Björn Yttling) und John (Eriksson) – ein Talent haben, gute Musik zu machen, haben sie als Produzenten und Mitmusiker solch verschiedener Acts wie Shout Out Louds, Caesars, The Hives und The (International) Noise Conspiracy bewiesen. Als Gemeinsamkeiten finden sich also eine gewisse Orientierung zur Vergangenheit und das Gefühl für den perfekten Ohrwurm – davon finden sich zehn Stück auf „Writer’s Block“.

Das fängt mit „Young Folks“ und „Amsterdam“ an, setzt sich in dem eher sperrigen „Up Against The Wall“ und in „Paris 2004“ fort und findet seinen absoluten Höhepunkt im letzten Drittel des Albums. Dort sind alle Songs („Let’s Call It Off“, „The Chills“, „Roll The Credits“ und „Poor Cow“) (fast) Meisterwerke, die zu hören, ich jetzt seit Jahren warte. Dieses Begehren, diese Songs genießen zu können, bzw. die Nähe, die ich zu diesem Album fühle, ergibt sich vielleicht aus der Beschreibung, die Keyboarder und Bassist Björn Yttling im Gespräch mit einer englischen Zeitung nutzten: „Es ist groovy und melancholisch zur gleichen Zeit.“ Ich nenne das fröhliche Melancholie oder melancholischen Frohsinn. Musik für manisch Depressive. Perfekt.

Äh, also ohne Einschränkungen zeigt der Song „The Chills“ diese Charakterisierung. Wo der Titel schon die winterliche Kühle der Depression im Namen zu tragen scheint, ist dies doch eine Hommage an eine neuseeländische Band diesen Namens. Viele Alben werden zum Ende hin schlechter. „Writer’s Block“ steigert sich. Wo „The Chills“ nordisch unterkühlt das Ende vorbereitet, erfasst „Roll The Credits“ genau das, das Ablaufen des Abspanns eines guten Kinofilms. Noch bevor ich den Namen kannte, verband ich mit dem Klang des Songs dieses Erleben der letzten Momente eines Kinoabends. Das Ende, die Erleichterung, eine Geschichte erlebt zu haben, die gut ausgegangen ist. Das ideale Ende für eines der Alben des Jahres, das in der Endabrechnung dennoch untergehen wird.

Und dann kommt da noch „Poor Cow“, das Ende nach dem Ende. Wie bei einem Film der „00er“ Jahre – der Noughties – folgt nach dem Abspann noch ein Gimmick, so auch hier. Unnötig und schön. Wie das ganze Album, eigentlich sogar mehr, aber das reicht so.

Oliver Bothe

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