Rezension

No Age

Everything In Between


Highlights: Fever Dreaming // Sorts // Shed And Transcend
Genre: Noise // Punk
Sounds Like: Japandroids // Wavves // Jay Reatard // Sonic Youth

VÖ: 01.10.2010

Randy Randall und Dean Spunt sind Zerstörer. Auf den bisher erschienenen Alben wurde Noise-Schicht um Noise-Schicht über das Grundgerüst der Songs gelegt, um die Harmonie der Tracks möglichst im Keim zu ersticken. Tatsächlich lag jedem No-Age-Song auch eine Melodie zugrunde, die aber erst noch mühsam von Soundmüll, Fuzz-Gefrickel und Rückkopplungen im Kopf befreit werden musste.

Jetzt schicken die beiden die Single "Glitter" als Vorbote ihres dritten Albums "Everything In Between" raus und man staunt. Nicht etwa befreit von jeglicher Distortion oder Noise-Spielereien kommt "Glitter" als ein Song daher, dessen Melodien nicht erst freigegraben werden müssen, sondern sich stellenweise durch den porösen Erdboden nach oben drücken. Doch "Glitter" steht nicht Pate für den Sound des "Nouns"-Nachfolgers. Zwar sind die Melodien tatsächlich leichter zu entdecken – das Gewebe, das sie umgibt, ist nicht so dicht, nicht so undurchdringbar wie es bei den Vorgängern oft der Fall war. So einfach wie es die Single andeutet, ist es dann aber doch nicht.

Doch diese Scheibe hat noch eine andere Seite. Mit einem Song wie "Common Heat", der ein bisschen entschleunigend und am falschen Platz wirkt oder dem Anti-Folk auf "Sorts" machen No Age klar, dass die destruktive, rebellische Haltung, die sich bisher nur in stampfendem Krach ausdrückte, auch andere Seiten haben kann. Rebellion durch Nicht-Anpassung sozusagen – auch nicht an die selbst ausgesuchte Rolle. Gleichzeitig lassen sie eine Drum-Machine dann aber ihre Soundlandschaften auf "Skinned" zerfräsen, bis nichts mehr davon übrig bleibt.

No Age gehen einen neuen Weg, ohne dabei den angepissten Gestus der Verweigerung aufzugeben. Dieser Gestus drückt sich auf "Everything In Between" aber weniger in der sturen Verschleierung melodiöser Momente aus, die durchaus noch existiert, als vielmehr in einem offeneren Umgang mit diversen musikalischen Inputs – Harmonien erlaubt.

Andreas Peters

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