Rezension

Neurosis

Honor Found In Decay


Highlights: At The Well // Raise The Dawn
Genre: Noise // Sludge // Doom
Sounds Like: Isis // Eagle Twin // Cult of Luna

VÖ: 26.10.2012

Die Ehre kommt durch den Zerfall, das Untergehen, den langsamen Untergang. Bezeichnend könnte man diesen Titel nennen, den Neurosis ihrem neuesten Werk gaben. Deren Legendenstatus bezieht sich auf längst Vergangenes, auf die harten, kompromisslosen Alben ab Mitte der 80er, mit denen sie ein ganzes Genre erschufen. Nun gehen die Herren auf die 50 zu, besinnen sich immer noch auf die wilde Jugend und passen ihren Stil ihrem Alter an. Wo früher die Brechstange das Ende der Welt herbeisehnte, ist es nun eben jener langsame Untergang, der Motto des Schaffens ist.

Nach wie vor umfasst Neurosis‘ Schaffen etwas Monumentales, Allgegenwärtiges. Schon der Einstieg mit „We All Rage In Gold“ untermauert diesen Status. Man stelle sich Zeus auf seinem Olymp vor, der in Rage um die Verkommenheit der Welt weithin hörbar von seinem Thron gegen die Welt wettert – die zerstörenden Blitze jedoch schickt er nicht mehr los. Mit den Alben wie „Through Silver In Blood“ hat „Honor Found In Decay“ bis auf den typisch rauen, dreckigen Gesangs- und Gitarrenstil – der nun allerdings in halber Geschwindigkeit gespielt wird – nur noch in Ansätzen Gemeinsamkeiten, etwa den heftigen Ausbruch in „Bleeding The Pigs“. Dennoch ist die Band nicht uninteressant geworden, denn die neue Langsamkeit ermöglicht auch neue Elemente – und die wissen Neurosis zu nutzen. Es finden sich so an einigen Stellen zum Beispiel Streicherklänge ein, die die düstere Drohkulisse nur noch verstärken („Raise The Dawn“). Während „My Heart For Deliverance“ wird es durch Blasinstrumente und weibliche Backgroundstimmen kurzzeitig sogar recht atmosphärisch.

Man merkt deutlich, dass der düstere Folk, den Scott Kelly und Steve von Till auf ihren Soloalben spielen, auch Einfluss in den Sound von Neurosis gefunden hat. Während die Soloprojekte jedoch manchmal so viel Trostlosigkeit versprühen, dass sie langweilen, führt die Kombination aus dem typischen Neurosis-Weltuntergangssoundtrack und diesen neuen Momenten dazu, dass die Hauptband es auch im dritten Jahrzehnt ihres Bestehens schafft, sich noch in irgendeine Richtung weiter zu entwickeln.

Klaus Porst

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"We All Rage In Gold" im Stream
www.soundcloud.com

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