Rezension

Neurosis

Fires Within Fires


Highlights: Reach
Genre: Sludge
Sounds Like: Red Sparowes // Isis // Cult Of Luna // Scott Kelly // Mastodon

VÖ: 23.09.2016

30 Jahre existieren Neurosis nun schon und 20 Jahre alt ist dieses Jahr ihr wohl bekanntestes und bahnbrechendstes Album „Through Silver In Blood“ geworden. Zeit für eine Situationsaufnahme: Wo stehen die Kalifornier heute? Live immer noch eine Macht, gerade die älteren Stücke haben bis heute nichts an Wucht und Dynamik eingebüßt. Schwieriger wird es dagegen beim neuen Material. „Fires Within Fires“ geht die unbändige Wut alter Tage ab, es bewegt sich in einem seltsamen Zwischenstatus. Musikalisch fraglos nach wie vor schwere, erdrückende Kost, die aber mittlerweile alles Andere als innovativ ist. Neurosis haben Maßstäbe gesetzt, an deren Form sie nun allerdings nicht mehr heranreichen.

Klar, man wird auch älter. Neurosis zeigen das, indem sie deutlich langsamer geworden sind. Statt brachialem Chaos setzen sie ihre Lärmpassagen akzentuiert. Planvoll werden jene Parts eingestreut, die in die Magengrube gehen sollen. „Reach“ etwa bewegt sich phasenweise so sehr im Postrock wie einst die Red Sparowes. Die durchaus schönen Riffs leben nicht mehr davon, schnell und hart auf die Ohren einzupreschen, sondern basslastig angespielt zu werden und dann in aller Ruhe auszuklingen. Seit jeher waren Neurosis zudem eine Band, die vieles mit Masse lösten. Immer wieder treten in Songs mit oft zweistelliger Minutenzahl Soundschichten auf, türmen sich übereinander und bilden ein sich wiederholendes Mantra. Umso verwunderlicher, dass „Fires Within Fires“ „nur“ vierzig Minuten Spielzeit bei fünf neuen Stücken aufweist.

Natürlich dauert es keine zehn Sekunden, ehe klar ist, wer dort auf dem Feld steht. Ein so typisches Gitarrenspiel haben nur wenige Künstler. Jedoch zeigen „Bending Light“ oder „A Shadow Memory“ schnell, dass hier vor allem nach dem Baukastenprinzip vorgegangen wurde. Die Riffs mögen prägnant sein, den einzelnen Stücken zuzuordnen sind sie jedoch nicht. Kein „Stones From the Sky“, „Locust Star“ oder „Left To Wander”. Die Entwicklung war schon bei “Honor Found In Decay” auszumachen, welches jedoch auf lange Sicht noch den typischen Neurosis-Sog entfalten könnte. Seit jeher lebt die Band von einer eigens erzeugten, ganz besonderen Stimmung, die einen in einen Strudel hineinziehen konnte. Dafür brauchte es schon mal eine gute halbe Stunde. Auch „Fires Within Fires“ hat das Potential dazu, allerdings beginnt just in diesem Moment „Reach“, der abschließende Part der Platte. Mit etwas mehr Inhalt wäre mehr drin gewesen.

Klaus Porst

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