Rezension

Mikal Cronin

MCIII


Highlights: Made My Mind Up // Say // iv) Ready
Genre: Indie Pop // West Coast Pop
Sounds Like: Ty Segall // White Fence // The Byrds

VÖ: 01.05.2015

Ja, er kann zählen. Und auch ganz gut mit jeglichen Zupf-, Streich und Blasinstrumenten umgehen. MCIII wurde mal wieder hauptsächlich in Eigenregie eingespielt. Auf seinem dritten Album hat Mikal Cronin allerdings noch einen draufgesetzt und ein zusätzliches Streicherquartett engagiert. Noch mehr Opulenz! Fast eine beängstigende Vorstellung, wenn man den Vorgänger kennt. MCIII unternimmt den Spagat zwischen Beständigkeit und Weiterentwicklung: Wieder ein durchnummeriertes Album. Wieder ein Selbstporträt auf dem Cover. Doch während die beiden Vorgänger den Sänger noch verwackelt zeigten, ist das Bild dieses Mal gestochen scharf. Ist MCIII das definitive Statement, das den Musiker so widerspiegelt, wie er wirklich ist?

Nun, falls es so sein sollte, ist Mikal Cronin eine durch und durch schizophrene Persönlichkeit. MCIII ist ein erschreckend heterogenes Album, welches abwechslungsreich sein will, allerdings keinen roten Faden verfolgen kann und quasi arbiträr zwischen verschiedenen Stilrichtungen hin- und herspringt. Hier wechseln sich aufgeplusterte Popnummern mit schwülstigen Streicherinterludes ab, um dann von Rocknummern aufgebrochen zu werden. Das könnte durchaus interessant sein, wenn das Album sich damit begnügen würde, eine lose Sammlung von Liedern zu sein. MCIII macht allerdings gerade in der zweiten Hälfte starke Anleihen an den Konzeptrock der Sechziger und Siebziger. War MCII noch das große Popstatement, so ist MCIII vertonte Hybris. Wenn der sechsteilige Zyklus – wieder artig durchnummeriert – über Cronins Jugend im Pacific Northwest schwadroniert und mit „i) Alone“ ansetzt, erinnert das an eine Parodie von The Moody Blues. Und ist somit das, was Garage Pop eigentlich nicht sein möchte.

Schade, denn einzeln betrachtet schreibt Cronin durchaus gute Songs. Viele Lieder wären auch auf MCII nicht fehl am Platz gewesen. „Made Up My Mind“ oder „ii) Gold“ wirken wie reine Stilübungen, die Altbekanntes neu vermischen. „Say“ markiert durch seinen Trompeteneinsatz sogar eine klare Entwicklung. „iv) Ready“ ist sicherlich stupide und repetitiv, allerdings so energiegeladen, dass man Cronin den Punk fast wieder abnimmt. Alles objektiv betrachtet gute Songs. Nur in der Reihung funktioniert das Album einfach nicht. In seinem Versuch, es allen Recht zu machen, ist MCIII überladen, überambitioniert und leider auch zu unpersönlich.

Yves Weber

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