Rezension
Mia.
Willkommen im Club
Highlights: Mausen // Deinetwegen // Mein Freund
Genre: Elektro-Pop
Sounds Like: You Say Party! We Say Die! // Wir sind Helden
VÖ: 05.09.2008
Bei MIA. scheiden sich die Geister. Das war schon immer so. Bei "Hieb und Stichfest", von manchen als das neue Berliner, gar das neue deutsche Ding angepriesen, von anderen als Nina-Hagen-Revivalband mit Elektrobeats runtergeredet. Bei "Stille Post" die Kontroverse um die politische Ausrichtung der Band dank farbenfrohen Nationalbewusstseins. Bei "Zirkus" war die Frage, ob das überhaupt noch MIA. sind? Und "Willkommen im Club" schlägt in die ähnliche Kerbe. Unverkennbar sind sie's, ja, Miezes Stimme ist die alte, die einen stets umgarnt, wie ein schnurrendes Schoßtierchen. Und es ist immer noch dieses Berliner Ding. Aber liegt Berlin eigentlich noch im Trend? Oder geht es abwärts mit unserer Hauptstadt? Nicht nur, dass das TIME-Magazine jüngst München zur interessantesten deutschen Metropole für jüngere Menschen kürte, auch bei MIA. scheint die Luft ein wenig raus zu sein. Sagen die einen. Hört mal genauer hin, sagen die anderen. Ohren auf, willkommen im Club.
Die elf Songs sind wesentlich reduzierter als noch auf "Zirkus". Elektronische Beats, wenig brachiales, chorales. Melodisch klingt manches wie die entspannten Lieder von You Say Party! We Say Die!. Darüber ruhiger Gesang mit Texten, die mehr denn je an Wir sind Helden erinnern. Ist "Mausen" nicht die 2008er-Version von "Monster"? Vielleicht sogar die bessere? Jedenfalls sind die Zeiten in der Manege vorbei. Das Publikum soll nicht gespannt die Luft anhalten, bevor sie tosenden Applaus folgen lassen. Nein, sie sollen tanzen. Nicht wild mit den Armen rudernd, ohne Pogo, sondern mit geschlossenen Augen, einem wissenden Lächeln auf den Lippen, auf der Stelle. Und es funktioniert auch außerhalb des Tanzflurs. Im eigenen Zimmer, in der Bahn sitzend. Keine Musik für eine Geburtstagsparty, auf der die Gassenhauer mitgegröhlt werden, egal ob sie aus der Anlage oder vom Karaokespiel kommen. Probiert es aus. "Deinetwegen" ist vermutlich der perfekteste Song für dieses Gefühl, knisterend, zweifelnd.
Der charmanteste Moment auf dem Album ist wohl der kurze Sprechpart in "Mein Freund", wenn Mieze sich an ihren "Freund und Kupferstecher" wendet, eine Formulierung, die im allgemeinen Sprachgebrach kaum noch zu finden ist. Wieder so ein Moment des Lächelns. Zugegeben, es dauert ein wenig, bis der Hörer mit dem Album völlig im Reinen ist, vielleicht jeden interessanten Punkt entdeckt hat. Es ist für die Fans früherer MIA.-Alben ein klein wenig gewöhnungsbedürftig, im Endeffekt aber eine logische Weiterentwicklung der Band, die im ersten Clip noch wild durch die Straßen Berlins zog. Worüber man nicht streiten sollte, ist die Frage, welches Album nun ihr bestes ist. Zu unterschiedlich sind sie, alle auf irgendeine Art und Weise berührend und mitreißend. Und auch wenn sich die Geister weiterhin an MIA. scheiden werden, wenn Berlin heute noch so klingt, dann muss sich München strecken, wenn sie wirklich die interessantere Großstadt sein will.
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