Rezension

Messer

Jalousie


Highlights: Detektive // Meine Lust // Im Jahr Der Obsessionen
Genre: Post-Punk // Diskurs-Pop
Sounds Like: Kante // Die Nerven // Pendikel // Fehlfarben

VÖ: 19.08.2016

Viel hat sich geändert bei Messer. Nachdem man mit „Im Schwindel“ (2012) und „Die Unsichtbaren“ (2013) in relativ kurzer Zeit zwei Alben rausgehauen hat, war danach erst mal Neuorientierung angesagt. Gitarrist Palle Schaumburg verließ die Band, Multiinstrumentalist Milek und Tour-Percussionist Manuel Chittka wurden fest integriert und Bassist Pogo McCartney entdeckte die Orgel als neues Instrument für sich. Zusätzlich setzte sich Sänger Hendrick Otremba, inspiriert durch intensive Ausflüge ins Theatergenre, vermehrt mit Lyrik und Literatur auseinander. Weiterentwicklung an allen Ecken und Enden also. Kein Zweifel, Messer sind nicht mehr die Band, die sie vor drei Jahren noch waren.

Und natürlich hört man dem dritten Album „Jalousie“ diese Veränderungen deutlich an. Post-Punk ist zwar immer noch das musikalische Fundament von Messer, jedoch nun mit deutlich mehr Betonung auf „Post“ denn „Punk“. Der Sound ist deutlich weiträumiger geworden. Nur noch selten geht es im Uptempo mit Gitarren nach vorne. Neben angesprochener Orgel gibt es durchaus häufiger schräge Trompetentöne zu hören (von Tom Acher von The Notwist beigesteuert) und auch weibliche Gast-Vocals nehmen Einzug in die Klangwelt der Band.

„Jalousie“ klingt rundum reifer und erwachsener, da braucht man nicht lange drum herum reden. Und dennoch fehlt dem Album das emotionale und musikalische Auf und Ab, das noch die beiden Vorgänger auf so besondere Weise ausmachte. Dies liegt zum einen an den Arrangements, die oftmals einfach zu unspannend sind. Viele Songs ziehen in einem Gleichklang vorbei und wabern vor sich hin. Es passiert einfach zu wenig, was die ganze Sache interessanter machen könnte („So Sollte Es Sein“, „Die Hölle“, „Schaumbergs Vermächtnis“). Mehr Songs wie das entfesselte „Meine Lust“ hätten der Platte zur Auflockerung gut getan. Zum anderen schießen Otrembas Lyrics zu häufig über das Ziel hinaus. Zuvor zwar anspruchsvoll, aber immer pointiert, bleiben die Kernaussagen nun zu Gunsten kryptischer Hinweise nicht selten auf der Strecke.

Das „schwierige dritte Album“ von Messer ist keine schlechte Platte, damit das nicht falsch verstanden wird. Man vermisst aber die Wut und Aufgeregtheit früherer Tage sehr, welche die Band besonders gemacht hat. Im neuen aufgeräumten Gewand betreten Messer nun mit „Jalousie“ die Bühne intellektueller Diskurs-Pop-Bands. Ein zweifellos mutiger Schritt. Wenn es davon nicht schon mehr als genug gäbe...

Benjamin Köhler

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