Rezension

Megaloh

Regenmacher


Highlights: Ernte Dank // Zapp Brannigan // Wer hat die Hitze // Wohin
Genre: Deutschrap // Trap // Reaggae
Sounds Like: Motrip // Afrob // Samy Deluxe

VÖ: 04.03.2016

Megaloh ist ein Phänomen. Er ist ein Reimemonster mit einem unnachahmlichen Flow und einer begnadeten Technik, der aus dem Deutschrap-Game ganz sicher nicht mehr wegzudenken ist. Dutzende Festivalauftritte und Touren sowie Features mit Afrob und Samy Deluxe, Max Herre, Joy Denalane, Olli Banjo, Teesy oder Schwesta Ewa machen den 35-Jährigen zu so etwas wie dem Lieblingsrapper der Lieblingsrapper. Kaum zu glauben also, dass „Regenmacher“ erst sein zweites Album ist. 

Drei Jahre nach „Endlich Unendlich“ haben sich Megaloh, Haus-und-Hof-Produzent Ghanaian Stallion, Farhot und Kahedi endlich wieder zusammengeschlossen, um gemeinsam mit namhaften Feature-Gästen die hohen Erwartungen an das Zweitlingswerk zu erfüllen. Bläser, Off-Beat-Rhythmen, Jazz- und Reggae-Elemente verbinden afrikanische Folk-Musik mit deutschem Rap, gesprenkelt mit Trap-Elementen („Oyoyo“ mit Musa und Patrice oder „Graulila“ mit TUA), während sich Megaloh sowohl technisch als auch textlich auf allerhöchstem Rapniveau bewegt: Treffsicher / fress dich / hab Recht / ich machs hässlicher / weg / ich verletz dich / hab Pest mit Asbest mit als Text dicker / check mich / verwechselt ma' Meg nicht / mach Chef-Shit / perfekte Parkett-Swinger Technik.

Inhaltlich geht es um Sähen, Ernten, Dürre und die langerwartete Erlösung durch den einsetzenden Regen. Natürlich nur metaphorisch. Denn Megaloh beschäftigt sich mit sich, seinem Leben und seiner Karriere. Der Mann, der in aller Munde ist und dessen Name das griechische Wort für Größenwahn ist, gibt sich auf „Regenmacher“ ehrlich und nachdenklich. Das Working-Class-Hero-Topos und der feste Glaube daran, dass sich harte Arbeit irgendwann auszahlen muss, sind die Grundlage einer authentischen und ehrlichen Platte eines gestandenen 35jährigen Rappers: Sie fragen mich: Kann ich inzwischen von der Mukke leben? / Könnt mir noch immer um vier Uhr morgens im Bus begegnen. 

Einzig auf „Wohin“ verlassen er und Musa diese authentische Innensicht und erzählen aus der Perspektive eines Flüchtlings, der als Vertriebener aus dem eigenen Land nicht weiß, wo er hingehört und erwünscht ist:
Ich wusste nicht, wo ich hin kann 
Mein Zuhause, sie nahmen es an sich 
Bin auf der Flucht schon so lang 
Ich hatte Angst, ich erreiche dieses Land nicht 
Jetzt bin ich endlich da 
Hab’ es geschafft, doch sie sagen mir was Anderes 
Sag mir, gibt es einen Platz für mich hier 
Im Paragraph 23?

„Regenmacher“ erfüllt die Erwartungen auf ganzer Linie. Die Arbeit der letzten Jahre und die geknüpften Freundschaften mit Deutschlands Rap-Elite haben sich ausgezahlt. Max Herre, Jan Delay, Patrice, Afrob und Samy Deluxe, Motrip oder TUA sind nur einige der Namen, die ihrem Lieblingsrapper hier zur Seite stehen und „Regenmacher“ zu einem thematisch wie musikalisch aufrichtigen und erfrischenden Album machen.

Andreas Peters

Sehen


Megaloh – Regenmacher

Finden


Bye-Bye



Am 5. Januar 2021 haben wir éclat eingestellt. Mehr Infos hierzu gibt es auf unserer Startseite!