Rezension
Maritime
Human Hearts
Highlights: Black Bones // Paraphernalia // Air Arizona
Genre: Indiepoprock
Sounds Like: Nada Surf // Death Cab For Cutie
VÖ: 08.04.2011
Es ist immer wieder faszinierend, wie Lieder in unterschiedlichen Kontexten ganz verschieden wirken. Und damit gemeint ist nicht nur der unterschiedliche Coolnessfaktor von, sagen wir einmal, Eurodancesongs aus dem heimischen Radio (Igitt!) und genau denselben auf der Tanzfläche eines mittelmäßig hippen Clubs (Yeah! Ich kenne dieses Lied auswendig!). Das ist zwar oft auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen oder die Begleitung, die allgemeine Stimmung. Das Prinzip ist aber kein unbekanntes.
Das gleiche gilt nämlich für die Zusammenstellung von Samplern. Vor allem vermeintlich langweilige Lieder entfalten in einer bestimmten klanglichen Umgebung oftmals eine erstaunliche Wirkung. Nicht umsonst ist die Reihenfolge der Tracks meist für den Erfolg oder Misserfolg einer Mix-CD ausschlaggebend. Es gibt aber auch das Gegenteil: Songs, die beim Durchhören eines Albums unerlässlich erscheinen, die für die Spannung wichtig sind, die einfach dazu gehören. Wenn man sie aber isoliert von ihrer natürlichen Umgebung hört, verlieren sie jeden Charme und man wundert sich ob ihrer Mittelmäßigkeit.
Für die Besprechung von „Human Hearts“, dem mittlerweile vierten Machwerk von Maritime, ist die erste Gruppe diejenige von Interesse. Das Album kommt kompakt daher, wie aus einem Guss, 35 Minuten Indierockpopgetüdel, ist mal ein bisschen leiser, mal wird ein bisschen mehr auf die Kacke gehauen, immer mit einer positiven Grundstimmung. Es wirkt unaufdringlich, nett, wie ein großer Klumpen Popmusik für den Hintergrund. Das klingt zunächst fies, aber die Wahrheit ist: Wenn man sich Zeit nimmt, um diese CD besser kennenzulernen, ist eigentlich jeder Song auf der Platte für sich genommen gut und würde z.B. aus dem Radioprogramm positiv hervorstechen. Wenn man „Human Hearts“ aber von Anfang bis Ende hört, gibt es kaum Momente, die aufhorchen lassen (abgesehen von Ausnahmen wie „Black Bones“ und „Faint Of Hearts“), es vermischt sich alles zu einer Art Musikbrei, der die individuellen Eigenschaften der Lieder in sich aufgenommen hat. Das kann man sich immer noch ganz gut anhören, aber es ist eben leider nur nett. Mein Tipp: den iPod auf Shuffle stellen oder einfach alle Lieder auf die Mix-CDs für Autofahrt, Urlaub, Festival, gemütliches Beisammensein etc verteilen und dann überlegen, welches Lied man persönlich als Single ausgewählen würde.
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