Rezension

Loney Dear

Dear John


Highlights: I Was Only Going Out // Summers // Violent
Genre: Pop
Sounds Like: Peter, Bjorn & John // Jens Lekman // Midlake

VÖ: 06.03.2009

„Dear John“ heißt das nunmehr fünfte Album des Songwriters und Multi-Instrumentalisten Emil Svanängen, der unter dem Namen „Loney Dear“ musikalisch tätig ist. Drei Jahre sind vergangen seit der letzten Veröffentlichung, und so Manches hat sich seitdem geändert: das Komma zwischen „Loney“ und „Dear“ ist verschwunden, ein renommiertes US-Label hat ihn unter Vertrag genommen und auch sein Stil unterscheidet sich auf den ersten Blick recht offensichtlich von dem der Vorgänger. Überzeugte Emil Svanängen live im Rahmen der „Sit Down and Sing“–Tour im Herbst letzten Jahres gerade durch seine reduzierten und intimen Arrangements, überfährt einen „Dear John“ mit einem bombastischen Sound. Skeptisch lauscht man zunächst diesen Songs. Was sind das für befremdliche elektronische Klänge? Schreibt Emil Svanängen keine beschaulichen Folk-Pop-Songs mehr?

Airport Surroundings beginnt wie ein Schuss vor den Bug und gibt die neue Richtung von Loney Dear vor: alles wirkt hier größer: die Streicherbegleitung klingt schon fast nach einem mächtigen Orchester und die Drums sind wuchtig. Diverse elektronische Spielereien und Effekte hört man heraus, überfrachtet wirkt das alles zunächst, und die Gitarre hat an Bedeutung verloren. Schenkt man dem Song aber weitere Hördurchgänge, schält sich dann doch ein klassischer Loney-Dear–Song aus diesem Brocken heraus, und so verhält es sich mit den meisten Songs auf diesem Album. Verzweifelt wiederholt Emil Svanängen immer wieder die Worte „you were all that I wanted“, natürlich mit dem für Loney Dear typischen Backgroundgesang.

Die Texte sind so, wie man sie von Emil Svanängen kennt: „All the times I make it worse, with all the devils in my head“ stellt er in „Everything Turns To You“ niedergeschlagen fest. Dankbar nimmt man da „Violent“ auf, das einen mit seinen luftigen Flötenklängen schnell in seinen Bann zieht. Man atmet erleichtert auf, dass es auf diesem Album auch so manchen Song gibt, der einen nicht nur traurig zurücklässt, sondern Kraft und Hoffnung spendet. Erhoben sich auf früheren Alben die Songs noch mit euphorischem Chorgesang aus ihren eigenen Trümmern, wirken viele Songs auf „Dear John“ doch eher resignierend. „Summers“ mit seinem fröhlich treibenden Bass ist ein weiterer Rettungsanker auf diesem düsteren Album: „Now I never lose track again“ - das hört sich doch für Emil Svanängens Verhältnisse schon um Einiges zuversichtlicher an.

„I was only going out“ erweist sich mit seiner lässig gepfiffenen Melodie als sehr eingängig und kristallisiert sich schnell als ein weiteres Highlight von „Dear John“ heraus. Dass sich der Mut, mit elektronischen Elementen zu experimentieren, auch auszahlen kann, zeigt „Under A Silent Sea“, dem es tatsächlich gelingt, eine befremdliche Unterwasser-Atmosphäre zu erzeugen. Der entspannende Titelsong, mit dem das Album abschließt, stimmt den Hörer am Ende dieses ungewöhnlichen, aber doch sehr guten Albums versöhnlich. All diese Effekte und dieser Bombast wären gar nicht nötig gewesen. Dass Emil Svanängen grandiose Songs schreiben kann, die ohne das ganze Drumherum funktionieren, wissen wir doch schon längst.

Kilian Braungart

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