Rezension

Leif Vollebekk

New Ways


Highlights: Blood Brother // I’m Not Your Lover
Genre: Singer-Songwriter
Sounds Like: Leonard Cohen // Bob Dylan // Harry Nilsson // Damien Rice

VÖ: 01.11.2019

Leif Vollebekk hat im Verlauf der letzten Jahre eine beachtliche Karriere hingelegt: Vom kleinen Juwel „Inlands“ von 2010 entwickelte sich nicht nur sein Sound weiter, auch die Aufmerksamkeit wurde größer für den Kanadier, der an die Tradition der großen Singer-Songwriter der 60er- und 70er-Jahre anknüpft, bis hin zum heißen Rennen um den Polaris Music Prize. Vielleicht sind ihm all die Lobgesänge ein bisschen zu sehr zu Kopf gestiegen, auf jeden Fall überschreitet Vollebekk mit seinem neuen Album „New Ways“ zu häufig die Grenze zum Kitsch.

Zugegebenermaßen ist es auch ein schmaler Grat, den es als Singer-Songwriter zu beschreiten gilt. Man muss gute gefühlsbetonte Texte schreiben können, es wagen, sein Herz auszuschütten, sich selbst ins Zentrum zu rücken und Emotionen in Worte zu fassen, die dann beim Hörer resonieren und dieses Gefühl, sich verstanden zu fühlen, auslösen. Es ist durchaus etwas, das Vollebekk beherrscht, das Erzählen dieser kleinen Geschichten, das Beschreiben des eigenen Innenlebens, doch „New Ways“ schießt dabei über das Ziel hinaus. Man will Vollebekk sein persönliches Leid nicht absprechen, das er hier zum Ausdruck bringt, aber Zeilen wie „She's my woman and she loved me so fine / She’ll never be back“ sind weder originell noch tiefsinnig. Solche Texte begegnen einem aber leider ständig auf „Twin Solitude“, denn Vollebekk sagt selbst über das Album, dass er es „für jemand anderen“ geschrieben habe. Da stellt sich die Frage, ob man diese Songs dann überhaupt nach außen tragen sollte.

Das ist schade, denn an der Tatsache, dass Vollebekk an sich ein guter Musiker ist, der ein Gefühl für das richtige Timing und treffsichere Phrasierungen hat, hat sich eigentlich nichts geändert. Würde er sich nur nicht so sehr als leidender Künstler darstellen, der mit großen Gesten seinem Herzschmerz Ausdruck verleiht, sondern sich als nahbares Individuum zeigen, das sich eben nicht durch Stilisierung von allem abzugrenzen versucht, könnte „New Ways“ ein weitaus besseres Album sein.

Kilian Braungart

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