Rezension

Lamb

5


Highlights: Back To Beginning // Another Language // Wise Enough // Existential Itch // She Walks
Genre: Electro // Pop // Bristol-Sound
Sounds Like: Soulsavers // Bran Van 3000 // Damien Rice // Portishead // Alabama 3 // Anna Ternheim // Fever Ray // Melanie C

VÖ: 15.07.2011

Andy Barlow und Lou Rhodes erreichten Ende der 1990er zwar nicht ganz den Status von Acts wie Portishead, Massive Attack oder auch Leftfield, zählten aber in der elektronischen Aufbruchstimmung des Alternative doch zu den hochgeschätzten britischen Electronic-Acts, deren Intensität und deren Ursprung in Breakbeats, Jazz und Drum’n’Bass begeisterte. Ihr nunmehr fünftes Album nach sieben Jahren Band-Pause ist von diesen Ursprüngen ein gutes Stück entfernt.

Auch wenn sich der gebrochene Beat ab und an mal mehr mal weniger hart noch den Weg bahnen kann (im antreibenden „Strong The Root“ zum Beispiel), steht „5“ vor allem im Zeichen eines fast saturiert zu nennenden Wohlfühlpops. Dessen elektronische Unterfütterung ist zwar deutlich, aber kein wesentlicher Bestandteil. Schon das eröffnende „Another Language“, beruhend auf einer bereits auf Andy Barlows Lowb-Album zu findenden Melodie, stellt klar, dass hier weitgehend leicht melancholischer Pop vorgeführt werden wird. Von Profis produziert mit dem Wissen um den gelungenen Spannungsbogen, überrascht hier weniges und gefällt fast alles.

Das latent Verhuschte des triphoppigen Gesangs und die in gewissem Maße klischeehafte Rhythmen, die hier bestimmend sind, hätten auch vor zehn Jahren schon in Werbespots für Autos, Unterhaltungselektronik, Körperpflege und auch Lebensmitteln Platz gehabt und tun dies heute umso mehr. Jenseits von Nostalgie und kollektivem Klangbewusstsein funktioniert „5“ aber dennoch als Sammlung poppigen Wohlklangs. Sollte man diesen Sound in ein einziges Wort fassen wollen, würde über weite Strecken filmisch, kinematographisch oder eben kinematophonisch in den Sinn kommen. „Wise Enough“ mag als bestes Beispiel für diesen Charakter des Albums stehen. Hier, aber auch später in „The Spectacle“ und vor allem in „Last Night The Sky“, findet sich zudem ein folkiges, meditativ emotionales Element, das in gewissem Sinne sogar zum Mystischen zu neigen scheint.

Am spannendsten und überraschendsten ist „5“, wenn Lamb der Kreativität freien Lauf lassen, wenn die Professionalität der Abenteuerlust Platz gibt. Das ist in „Existential Itch“ der Fall und in eingeschränktem Maße auch in „Strong The Root“. Beide erlauben sich, die reine Suche nach Harmonien zu unterwandern. Das tut „She Walks“ nicht wirklich, ist aber in seiner perfekten Verbindung von vibrierenden Bässen, leichter Perkussion und Lou Rhodes' verhalltem Gesang vielleicht der intensivste Track der Platte. Auch wenn „5“ vor allem eine Nachricht aus der Vergangenheit ist und nicht immer fesselt, ist es dennoch einfach schön.

Oliver Bothe

Sehen


Video zu "Another Language"
Mini-Doku zum Album

Hören


Myspace-Seite der Band
www.myspace.com/lambofficial

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.