Rezension

La Sera

Music For Listening To Music To


Highlights: High Notes // I Need An Angel
Genre: Country // Indiefolk
Sounds Like: Vivian Girls // Alvvays

VÖ: 04.03.2016

Veränderungen sind eine komische Sache. Manchmal sind sie wichtig und bringen uns voran, in welche Richtung auch immer, manchmal stellt sich im Nachhinein aber auch heraus, dass man sie sich auch gleich hätte sparen können, weil man wieder am Anfang steht oder in Wahrheit gar nicht so viel geändert hat, wie man gedacht hatte. Und gerade in einer Branche wie der Musik muss man sich Veränderungen vorher besonders gut überlegen: Ändert man den Stil zu sehr oder verändert man den Gesang zu stark, läuft man als Band schnell Gefahr, nicht mehr wiedererkannt zu werden. Es gibt aber auch Situationen, in denen genau das intendiert ist, in denen man den Stil und das Image einmal umkrempelt, um danach wie der Phönix aus der Asche wieder auferstehen und von vorne anfangen zu können. Hört man das vierte Album von La Sera, kommt einem schnell der Verdacht, dass es sich bei „Music For Listening To Music To“ genau um ein solches Freischwimmen von der Vergangenheit handelt.

Bisher hatte sich Katy Goodman, die ehemalige Bassistin von Vivian Girls, auf ihren Soloalben vor allem mit verhuschtem, leicht laszivem Dreampop hervorgetan. Das ist jetzt vorbei. Goodman löst sich von ihrer musikalischen Vergangenheit, was sicher auch mit Entwicklungen zu tun hat, die sich in ihrem Leben abseits der Musik ergeben haben. Mittlerweile sind La Sera nämlich auf und abseits der Bühne zu zweit: Goodman ist jetzt mit Todd Wisenbaker verheiratet, der die letzte Platte „Hour Of The Dawn“ produzierte, auf der sich Goodman lauter und energetischer als zuvor präsentierte. Das neue Eheglück wirkt sich auch auf die Musik aus: Wisenbaker ist nun fester Bestandteil der Band und zwar nicht nur als Gitarrist, sondern er schreibt auch an den Songs mit und singt sogar auf drei Liedern mit. Im ruhigen „Nineties“ darf er sogar ganz alleine singen und erinnert dabei an die frühen Belle & Sebastian.

Nun aber zu der wichtigen Frage: Gelingt die musikalische Neuausrichtung? Hat sich all diese Veränderung gelohnt? Die Antwort lautet Jein. Auf jeden Fall ist „Music For Listening To Music To“ ein Statement und ein Zeichen dafür, dass der mädchenhafte Schmachtpop nun endgültig hinter Katy Goodman liegt. Stattdessen wartet das Album an jeder Ecke mit Countryanleihen auf und verweist mehr als einmal auf The Smiths. Auch wirken die Lieder aufgeräumter und unmittelbarer als zuvor. Das mag auch daran liegen, dass Ryan Adam als Produzent seine Finger mit im Spiel hatte und dem Album durch die analoge Aufnahmetechnik zu mehr Direktheit verholfen hat. Fun Fact: Während der Aufnahmen zu „Music For Listening To Music To“ ist Adams und Wisenbaker gemeinsam die Idee gekommen, Taylor Swifts Hitalbum „1989“ zu covern. Aber zurück zu La Sera. Ja, das Album gewinnt durchaus durch die Country-Gitarren, und Lieder wie „High Notes“ oder auch das eher basslastige Duett „I Need An Angel“ gehen ganz gut ins Ohr. Auf Albumlänge ist der neue Anstrich aber nicht wirklich überzeugend. Zu viele Lieder plätschern einfach nur dahin und so bleibt die Platte als Ganzes eher blass und nichtssagend. Die Veränderung Richtung bodenständigem Countrysound war sicher nicht verkehrt für La Sera, aber an den Feinheiten muss man noch etwas drehen.

Lisa Dücker

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Video zu "I Need An Angel"
Video zu "High Notes"

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