Rezension

L.A. Salami

The Cause Of Doubt & A Reason To Have Faith


Highlights: The Cause Of Doubt And A Reason to Have Faith // When You Play God (The 2018 Copyright Blues)
Genre: Singer-Songwriter // Blues // Rap
Sounds Like: The Velvet Underground // The Black Keys

VÖ: 17.07.2020

Der Herr mit dem überaus wohlklingenden Namen Lookman Adekunle Salami, kurz L.A. Salami, ist Poet, Songwriter, Musiker – in der Rheinfolge – und veröffentlicht mit „The Cause Of Doubt And A Reason To Have Faith“ ein Werk, das, wie der Name schon ankündigt, sich mit den großen Fragen dieser Welt beschäftigt. Und dessen Suche nach Antworten sich aus der alltäglichen Lebensrealität, den kleinen trivialen Momenten, dem Zwischenmenschlichen speist. Schon auf den Vorgängerplatten wanderte der extravagante Londoner leichtfüßig auf den Spuren großer Storyteller. Präzise beobachtend ordnete er Alltägliches in ein großes Ganzes, welches er selbst auch nicht gänzlich versteht. Nur sind die Fragen dieser Welt in den letzten zwei Jahren keinesfalls weniger komplex geworden.

Und so ist auch das Soundkonzept von „The Cause Of Doubt And A Reason To Have Faith” komplexer und ein Stück weit düsterer als zuvor. Ihren Anteil am Stimmungsbild hatten auch private Enttäuschungen, beispielsweise das Versetzt- und Ausgenutztwerden von Plattenfirmen, was L.A. in seiner konsum- und kapitalismuskritischen Weltsicht nur noch mal bestärkte. Folk und Blues bilden das musikalische Rückgrat der sieben Songs des Albums, werden jedoch um verschiedene feine Komponenten erweitert. Gleich im ersten Song, dem 10-minütigen Titeltrack-Epos, vollgespickt mit philosophischen und spirituellen Gedanken zwischen verträumt-psychedelischen Soundflächen und Hip-Hop-Beats, offenbart sich die Vielschichtigkeit des Albums. In „When You Play God (The 2018 Copyright Blues)” spannt der belesene Storyteller den Bogen vom Privaten ins Politische, von Putin zu Kanye West und gibt seinen Gedanken wortgewandt mit simpler Akustikgitarre den passenden Rahmen. Spätestens hier wird deutlich, dass die Leichtfüßigkeit vergangener Alben einem eher niedergeschlagenen Weltbild gewichen ist. „A fact becomes a threat // A right becomes a wrong // Any nuance in an argument or insult is gone // In a black or white world you’re either holy or you’re scum” heißt es passend dazu im Hip-Hop-Track “The Cage”, in welchem L.A. Salami sich erstaunlich gut als Rapper versucht. Abgerundet wird die Platte mit einer neu interpretierten Version des Songs „The Talis-man In The Age Of Glass“, der bereits auf dem Vorgängeralbum zu hören war, nun als Single fungiert und das Album versöhnlich ausklingen lässt.

Wie ein Troubadour, ein von Stadt zu Stadt, von Kneipe zu Kneipe Umherziehender, legt L.A. auch auf „The Cause Of Doubt And A Reason To Have Faith“ seine Gedanken dar. Das stets im Hintergrund präsente Bar-Piano, gelegentliche Mundharmonika-Einwürfe, Soundsamples und Sprachmemos geben dem ganzen Werk dabei ein urbanes Flair und stehen für einen gereiften Musiker, der seine Komfortzone erweitert, neue Wege einschlägt und sich dabei zwar nicht neu erfindet, seinem bisherigen musikalischen Wirken jedoch ein äußerst passendes neues Gewand verleiht.

Abhilash Arackal

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L.A. Salami - The Talis-man on the Age of Glass (Redux)

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L.A. Salami - The Cause of Doubt & a Reason to Have Faith

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