Rezension

Kurt Vile

Bottle It In


Highlights: Bassackwards // Check Baby // Come Again
Genre: Singer-Songwriter // Indie
Sounds Like: The War On Drugs // Courtney Barnett // Neil Young

VÖ: 12.10.2018

Gibt es eigentlich einen sympathischeren Musiker als Kurt Vile? Alleine für seine unerschütterlich zur Schau getragene 90s-Grunge-Matte muss man diesem Mann einfach huldigen. Außerdem hat man immer den Eindruck, als hätte er „Ich bin der coole Onkel von nebenan“ in dicken Lettern auf der Stirn stehen. Und dann macht er halt auch noch diese unverschämt gute Laune verbreitende Musik. Seit zehn Jahren mittlerweile. „Bottle It In“ ist nach seinem Koop-Ausflug mit Courtney Barnett bereits das siebte Solo-Album. Produktiver geht es kaum, zumal Vile auf seiner neuesten Platte auch noch nahezu volle 80 (!) Minuten neues Material raushaut.

Da darf man ruhig die Frage stellen: Wird das nicht irgendwann mal langweilig? Eigentlich sollte das ja der Fall sein, denn Kurt Vile ändert auch auf „Bottle It In“ nicht wirklich was an seinem Sound. Seit einer Dekade liefert der Songwriter aus Philly Songs, die im Prinzip keinerlei Ecken und Kanten haben und einfach „nur“ ein ungemeines Wohlgefühl absondern. Und dabei spielt es keine Rolle, ob die Stücke drei oder über zehn Minuten lang sind. Sowieso scheinen alle Songs auf magische Art und Weise gefühlt die gleiche Spielzeit zu haben. Das liegt daran, dass Kurt Vile es wie kaum ein anderer schafft, auf seinen Alben einen unglaublichen Flow zu erzeugen.

Es ist dann auch vollkommen egal, dass es bei dem Umfang natürlich zwangsweise auch mal kleine Ausfälle geben muss. „Rollin With The Flow“ heißt zum Beispiel so einer. Einen Tick zu schmalzig, etwas zu viel Standard. Aber bevor man sich dessen überhaupt bewusst wird, ist man schon vom Groove des nachfolgenden „Check Baby“ gefangen. Den Song beim nächsten Durchlauf skippen? Fuck it, kommt nicht in Frage! Dinge einfach mal nicht so eng sehen – niemand vermittelt das so gut wie Kurt Vile. Die Welt wäre ein wesentlich besserer Ort, wenn nur jeder diesem Mann zuhören würde.

Kurt Vile ist ein Meister der Entschleunigung. Dabei darf man aber nicht den Fehler machen und ihn als bloßen spinnenden Hippie abtun. Vile hat auch durchaus was zu sagen. Zwar auf seine unaufgeregte Art und Weise, aber dennoch: Die Lyrics bestehen nicht nur aus Zuckerwatte, sondern behandeln durchaus auch ernstere Themen wie Medikamentenabhängigkeit, unstillbare Sehnsucht und den unvermeidlichen Heartbreak. Trotz dem angenehm einlullenden Charakter von „Botte It In“ lohnt es sich also, aufmerksam zu bleiben. Relaxed geht man ohnehin aus dieser Geschichte raus. Mit dem neuesten Album von Kurt Vile vielleicht sogar noch etwas mehr als nach seinen bisherigen Platten.

Benjamin Köhler

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