Rezension

Kiasmos

Kiasmos


Highlights: Lit // Held // Thrown // Bent
Genre: Minimal // Ambient
Sounds Like: Gidge // Jon Hopkins // Pantha Du Prince // The Field

VÖ: 31.10.2014

Lange hat es gedauert, sehr lange. Schon seit fünf Jahren veröffentlichen Ólafur Arnalds und Janus Rasmussen (Bloodgroup) unter dem Namen Kiasmos immer mal wieder einzelne Songs oder EPs. Kennengelernt hatten sich die beiden in der Zeit, als Arnalds noch als Toningenieur in Reykjavik arbeitete. Ihre gemeinsame Liebe für minimalistische Sounds brachte sie schließlich zusammen und schuf einen Klangkosmos, der sowohl klassische Arrangements als auch clubtauglichen Elektro miteinander verband. Jetzt endlich, nachdem man sich im Tonstudio wochenlang buchstäblich eingeschlossen hatte, ist das erste Album fertig geworden.

Wer über die Facebook-Seite von Kiasmos den Aufnahmeprozess verfolgt hatte, wurde einerseits bestens unterhalten; andererseits litt man aber auch mit den beiden Künstlern mit. Denn Arnalds und Rasmussen sind Perfektionisten. Alle Töne müssen genau am richtigen Platz sein, immer das Ziel verfolgend, eine vollkommene Symbiose aus analoger und digitaler Klangwelt zu erschaffen. Postings am Rande des Wahnsinns waren die logische Folge. Schlussendlich hat sich der ganze Aufwand aber gelohnt, denn das selbstbetitelte Debüt-Album ist ein echtes Meisterwerk geworden.

Bereits nach den ersten beiden Songs steckt man metertief drin in dieser wunderschönen Soundlandschaft. Ganz bedächtig tastet sich „Lit“ voran. Zuerst ist eine Melodie nur zu erahnen, Hi-Hats kommen hinzu, dann ein unkonventioneller Beat. Schließlich erheben sich herrliche Streicher, die das Stück in seiner ganzen Pracht erstrahlen lassen. Übergangslos geht es mit „Held“ weiter. Arnalds begnügt sich mit einigen wenigen Piano-Tönen, überlässt das Feld aber größtenteils abermals den Streichern, die hier wirklich kaum ein Auge trocken lassen. Ein unglaublich emotionaler Song, der trotz seiner Zerbrechlichkeit sehr gut mit den elektronischen Beats harmoniert.

Eigentlich genügt schon dieses einführende Doppel, um für „Kiasmos“ eine uneingeschränkte Kaufempfehlung auszusprechen, aber die Platte hat natürlich noch einiges mehr zu bieten. Arnalds und Rasmussen variieren in der Folge enorm viel, ohne sich allzu weit von ihrer Basis zu entfernen. Aber auf diese Weise gelingt es ihnen eben, die Spannung konstant hoch zu halten. Ob überraschende Percussion-Elemente in „Looped“, das an Pantha Du Prince erinnernde Glockenspiel in „Thrown“ oder die dominanten Synthesizer in „Bent“ – es gibt in jedem Song Neues zu entdecken.

Gleich bleibt indes die Schönheit aller Stücke. Und dies ist auch der Hauptgrund dafür, warum das Album nicht nur im Club, sondern auch zuhause zum Entspannen wunderbar funktioniert. Man kann sich auf dem Debüt von Kiasmos in mehreren Welten verlieren. Kopf, Herz oder Beine tragen einen ganz automatisch in diese. Viel Spaß auf dem Weg dorthin!

Benjamin Köhler

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"Bent" im Stream
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