Rezension

Kashmir

Trespassers


Highlights: Mouthful Of Wasps // Still Boy // Pursuit Of Misery // Danger Bear
Genre: Indie
Sounds Like: Radiohead // dEUS // Elbow // Mew

VÖ: 05.03.2010

Vier Jahre lang Zeit lässt sich heute fast keine Band mehr, um ein neues Album zu veröffentlichen. Zu groß die Gefahr, von der Konkurrenz geschluckt zu werden oder in der schieren Masse an Bands nicht mehr herauszustechen. Kashmir können sich das allerdings erlauben. Ihre treue Fangemeinde haben sie sich über Jahre hinweg hart erarbeitet, so dass zwischen Plattenaufnahmen und ausgiebigem Touren genügend Zeit bleibt, um kreative Pausen zu nehmen. Für eine Band, die fast schon 20! Jahre aktiv ist, sind solch ausgedehnte Auszeiten auch ein Stück weit nötig, um den kreativen Prozess zu erhalten und nicht Gefahr zu laufen, sich irgendwann nur noch selbst zu wiederholen.

Daher ist „Trespassers“, das nunmehr sechste Album der Dänen, auch dieses mal eine Weiterentwicklung der Band geworden, ohne dabei allerdings den typischen Kashmir-Wiedererkennungswert zu verlieren. Der Sound ist nach wie vor in erster Linie düster und Zugang findet man zu den meisten Songs auch erst wieder nach einigen Durchläufen. Um ehrlich zu sein fasziniert wohl kaum eine Band mehr – nachdem der erste Albumdurchlauf noch als langweilig empfunden wurde – als Kashmir. Das macht „Trespassers“ ein weiteres Mal nur allzu deutlich.

Der Opener „Mouthful Of Wasps“ ist dabei noch der eingängigste Song. Der Refrain bleibt ihm Ohr und die Gitarre erinnert, einmal darf man raten, an Radiohead. Ja, die Referenz werden Kashmir wohl nie ganz loswerden, aber es könnte weiß Gott schlimmer sein. Auch ein paar andere Stücke wie das beschwingte „Still Boy“ oder das beinahe an Coldplay erinnernde „Pursuit Of Misery“ sind für Kashmir-Verhältnisse schon richtige Popsongs im Radioformat geworden.
In die meisten anderen Songs muss man sich aber wieder hineinarbeiten und entdeckt dann erst, welch großartige Melodien sich beispielsweise in „Mantaray“ oder „Intruder“ verbergen. Mit „Danger Bear“ gibt es obendrauf auch noch eine wunderschöne Ballade, die man von Kashmir in dieser Form eher nicht kennt.

„Trespassers“ ist zwar kein Meilenstein wie „Zitilites“ geworden. Dafür hakt es an der ein oder anderen Stelle etwas und der Abschluss ist mit „The Indian (That Dwells Inside This Chest)“ einfach zu kitschig geworden. Dennoch schaffen es Kashmir, auch mit Album Nummer Sechs nicht zu enttäuschen und zeigen, dass mit den alten Herren nach wie vor zu rechnen ist.

Benjamin Köhler

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