Rezension

Kanye West

Graduation


Highlights: Good Morning // Stronger // I Wonder // Homecoming (Feat. Chris Martin)
Genre: Hip-Hop // Rap
Sounds Like: Common // N.E.R.D. // R. Kelly

VÖ: 07.09.2007

Natürlich ist nicht jede Rezension absolut pünktlich – diese hier zum Beispiel. Kanye Wests Drittling aus der, ich nenne sie mal Schulausbildungsreihe, “Graduation” ist schließlich schon seit gut einer Woche in den Läden. Wie brisant diese erste Verkaufswoche diesmal ist, dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben – 50 Cents Karriere als P.I.M.P. steht schließlich auf dem Spiel. ”Ey, wenn der Idiot mehr verkauft als ich, gehe ich mein Leben lang schmollen!” Auflösen kann ich die Geschichte an dieser Stelle leider noch nicht, denn die Kollegen von “billboard.com” sind für meine Begriffe auch nicht aktueller als so manche Rezi. Die deutschen Charts als Orientierung ebenso. Bleiben nur die oftmals unterschätzten Amazon-Charts, die für die Vereinigten Staaten eine klare Sprache sprechen: “50 Cent #12 in Music.” und ”Kanye West #1 in Music.” Können wir Kanye also schon getrost ”Did you realize, That you are a champion?” fragen – und er wird antworten ”Yes, I did”. Auch wenn die “MTV-Rassisten” (so in etwa Kanye) dies ein weiteres Jahr nicht mit einem Award honoriert haben. Für mehr Tratsch 17:00 Uhr MTV-News.

“Graduation” unterscheidet sich schon auf dem ersten Blick deutlich von seinen zwei Vorgängern. Denn dreht man die wirklich schick aufgemachte CD, traut man seinen Augen kaum. Eine jämmerliche Stückzahl von 13 springt in eines der zwei bereits erwähnten Augen – ”macht der jetzt Indie, oder was?” Nein, keine Angst – oder wie man’s nehmen will – West hat sich diesmal nur sämtliche Intros, Outros und Skits gespart, was manchen ge- und anderen missfällt. Vielleicht ist dies auch der Grund dafür, warum die Meinungen bezüglich des Albums gegensätzlicher nicht sein könnten. Schlüssiger ist mir da die im nächsten Absatz aufgeführte Erklärung.

Ein CD-Kauf geschieht meist aus einer der vier folgenden Motivationen: Entweder man braucht schlicht etwas Neues, möchte sein Archiv ausbessern, weiß nicht wohin mit dem ganzen Geld oder man lässt sich zu einem dieser sogenannten Spontankäufe hinreißen. Die Musikrichtung wird hierbei meist aus der aktuellen Stimmung heraus gewählt, wo wir beim springenden Punkt bezüglich “Graduation” angelangt wären. So ist es auch ein großer Unterschied, ob jemand, der pfiffig-kritische Texte will oder einer, der heiter-tanzbare Partymusik erwartet, ein solches Album in die Finger bekommt. “Let's get lost tonight, You can be my black Kate Moss tonight, Play secretary I’m the boss tonight. And you don't give a fuck what they all say, right?” ...bringt den Kopf in schlaflosen Nächten zwar nicht zum Glühen, die gesamte Tanzfläche einer Disco dafür zum Brennen. Dasselbe gilt für die zwölf anderen Songs. Die Beats sind frisch, die Texte auch nach fünf Bier verständlich und die Musik macht einfach Laune.

“And yes, barely pass any and every class, Lookin' at every ass, Cheated on every test, I guess this is my dissertation, Homie, this shit is basic, Welcome to graduation.” Mr. West, unser Goldgräber, lebt nun einmal den American Dream. Ist zwar nicht das Originellste, darüber zu texten, aber haben dennoch dutzende schon schlechter gemacht. Und auch sonst - der Gastauftritt von Chris Martin ist objektiv gesehen ohne Frage das Peinlichste, was sich West hätte ausdenken können, aber trotzdem recht erfrischend. Ich bleibe dabei, sicherlich sein schlechtestes Album, trotzdem gut und 50 wird sich Wohl oder Übel in seinen Candy Shop verziehen müssen.

Paul Weinreich

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