Rezension

Herman Dune

Next Year in Zion


Highlights: My Home Is Nowhere Without You // When We Were Still Friends
Genre: (Anti-) Folk
Sounds Like: Stanley Brinks // Little Wings // Syd Matters

VÖ: 19.09.2008

Ein Blick auf das Cover wirft Fragen auf. Hat das an die Alben spiritueller Barden der 70er Jahre erinnernde Bild irgendeine Bedeutung für den Klang der Platte? Die Vermutung wird durch den religiös anmutenden Titel noch verstärkt. Wie hat man sich die Musik von Herman Dune nach dem Ausstieg von Andre-Herman Düne vorzustellen? Was verändert sich? Gibt es nennenswerten Qualitätsverlust?

Nun, zunächst einmal wird aus Herman Düne nun Herman Dune, um auf den Verlust eines Bandmitgliedes aufmerksam zu machen, werden die Pünktchen über dem "u" getilgt. Und ich sage es vorweg: damit erschöpft sich überraschenderweise beinahe jede nennenswerte Veränderung. Herman Dune liefern hier eine Wahnsinns-Folk-Platte ab, die mit allem aufwartet, was man so in diesem Genre erwarten kann. Die Percussions werden von Drummer Neman mit einer unglaublichen Virtuosität bedient und treiben Songs wie "When The Sun Rose Up This Morning" so an, bis sie zu dem werden, was sie sind: absolute Folk-Monster. Mit Kontrabass, Pauke und Triangel schmeichelt sich "When We Were Still Friends" dem Hörer ins Ohr und öffnet die Sinne für herrlich naiv wirkendes Songwriting. Unterstützt von David Tattersall (The Wave Pictures) an der Gitarre und den Babyskins, die sich für die Backing Vocals verantwortlich zeichnen, wirkt "Next Year In Zion" nicht nur wie ein logischer Nachfolger, sondern gar wie eine Fortsetzung des 2006er-Erfolges "Giant". Natürlich kann man sich darüber auslassen, dass es nun also zu wenig Emanzipation vom Vorgänger gibt, natürlich wirkt die künstlerische Einsamkeit des zurückgelassenen Bruders sich auf Albenlänge auf die subjektiv empfundene Abwechslung im Songwriting aus und natürlich gibt es auch hier wieder Unkenrufe, die gerade das anprangern. Völlig unverständlich, da dieses Album auch im komparativen Kontext der Bandgeschichte immernoch kein schlechtes ist, im Gegenteil ist es über die Grenzen dieses Kontexts hinaus sogar ein überdurchschnittlich guter Neuanfang.

Folk (oder doch eher Anti-Folk ?) wie man ihn sich nur wünscht) irgendwo zwischen den USA und Europa. Hymnen zum Schwelgen, Mitsingen oder auch der Soundtrack für ein spontanes Besäufnis. Nicht zuletzt aufgrund einer gewissen Naivität kann "Next Year in Zion" in unzähligen Kontexten funktionieren, was zusätzlich zu der unumgänglichen Ohrwurmgarantie ein ganz klares Indiz für eine großartige Scheibe ist.

Andreas Peters

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