Rezension

Giant Rooks

Rookery


Highlights: Watershed // Wild Stare // Misinterpretations
Genre: Indie-Pop // Rock
Sounds Like: Razz // The Temper Trap // Kytes

VÖ: 28.08.2020

Selten wurde ein Debütalbum einer deutschen Band so sehnsüchtig erwartet, wie das der fünf Jungs aus Hamm in Westfalen. Seit ihrer EP „New Estate“ aus dem Jahr 2017 sind sie im Mainstream angekommen und ein kleiner Lichtblick in der sonst so tristen deutschen Radiolandschaft.

Der endgültige Durchbruch gelang vergangenes Jahr mit der EP „Wild Stare“ und der gleichnamigen Single, die dem Quintett auch international Aufmerksamkeit zu Teil werden ließ. Kaum zu glauben, dass eine Band, die so populär ist, bislang ohne Album auskam. Ihren guten Ruf haben sie sich hauptsächlich durch regelmäßiges Touren erarbeitet, wo sie ihre Qualitäten als hervorragende Live-Band unter Beweis stellen konnten.

„Rookery“ heißt nun das Debüt-Album und besteht aus zwölf sehr eindringlichen Songs. Der Sound der Band erinnert an internationale Indie-Größen wie The Temper Trap, Bombay Bicycle Club und durch den oft mehrstimmigen Gesang sogar an Arcade Fire. So zum Beispiel im Song „Misinterpretations“, in dem alle Bandmitglieder außer Drummer Finn Thomas Gesangsparts übernehmen, gepaart mit einem Dream-Pop-Gitarrenriff, das Hörer in andere Sphären manövriert. Das mantraartig wiederholte „How long can i fake it?“ bleibt dabei besonders im Ohr hängen.

Hymnische Refrains ziehen sich durch die gesamte Platte. Frontsänger Frederik Rabe gibt mit seiner tiefen, markanten, aber erstaunlich wandelbaren Stimme der vielschichtig arrangierten Musik seinen unverwechselbaren Charakter. Die Giant Rooks schaffen es trotz aller Referenzen und Hommages an andere Bands, einen eigenen unverwechselbaren Sound zu basteln. Rockigere Nummern wie das bereits bekannte „Wild Stare“ oder „Silence“ halten sich die Waage mit reinen Indie-Pop-Songs wie „Watershed“.

Das einzige was zu einem ganz großen Album fehlt, ist der Rote Faden auf ihrem Debüt-Tonträger. Dadurch, dass Songs wie „Wild Stare“ schon fast zwei Jahre alt sind, wirken sie etwas reingezwungen. Doch das alles ist zu vernachlässigen, wenn man die musikalische Klasse und reife der Arrangements in den Fokus setzt. Ein besseres Debütalbum hatte eine deutsche Indie-Band schon sehr, sehr lange nicht mehr.

Christian Bensch

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