Rezension

Gallows

Gallows


Highlights: Victim Culture // Last June // Vapid Adolescent Blues
Genre: Hardcore
Sounds Like: The Ghost Of A Thousand // The Bronx // Cancer Bats

VÖ: 07.09.2012

Es gibt ja wenig Positives, was man der Emotion „Hass“ abgewinnen kann, aber Hardcore gehört definitiv dazu. Man stelle sich mal vor, Black Flag oder Sick Of It All hätten ihre Legende auf einem Fundament aus Liebe und Ausgeglichenheit meißeln müssen! Ebenso sehr betroffen: Gallows, die sich ihren Status als „neue Hoffnung des britischen Hardcore“ nicht zuletzt durch Frontmann Frank Carter erspielten, der insbesondere auf Konzerten gerne wirkte, als wolle er der kompletten Welt den Krieg erklären. Selbiger verließ die Band jedoch 2011, zum Ersatz wurde Wade MacNeil, einst Mitglied der aufgelösten Alexisonfire.

Soviel zunächst vorweg: All das, was zuvor die Wut in Frank Carter schürte, scheint MacNeil ebenso sehr anzupissen – um das zu erkennen, reicht eigentlich bereits der spannungsentladende Opener, der da „Victim Culture“ heißt, in Refrains von Songs wie „Outsider Art“ kann sogar so etwas wie eine Melodie erkannt werden. Passend auch, dass Gallows natürlich immer noch nicht die Band sind, die das Ganze durch musikalisches Gruppenkuscheln konterkarieren würden – auch das merkt man spätestens dann endgültig, wenn man bereits von den ersten Sekunden von „Vapid Adolescent Blues“ komplett gegen die Wand gerannt wird.

Und dennoch – auf Gallows' Drittwerk wird auch immer klarer, dass selbst Hass dieser Couleur irgendwie massenfähig geworden ist. Wenn dann mehrere Lieder ein whooooo im Refrain stecken haben, fällt einem das nicht gerade als erste Assoziation zu harscher Kritik ein, zudem tritt hin und wieder das Schema nur allzu deutlich hervor, erstmal ein schickes Riff alleingestellt auf den Hörer loszulassen, bevor dann der komplette Song auf ähnliche Art und Weise losbrettert. Nichtsdestotrotz ist auch „Gallows“, Frontsauwechsel hin oder her, immer noch das geeignete Gegengift bei zuviel allgemeiner Freundlichkeit. Hass sei Dank.

Jan Martens

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