Rezension

Four Tet

Remixes


Highlights: Money Folder (Madvillain) // Breathe Me (Sia) // So Here We Are (Bloc Party)
Genre: Electronic
Sounds Like: Aphex Twin // Console // Mouse On Mars

VÖ: 22.09.2006

Der Begriff "Musikgenie" geht immer leicht über die Lippen. Da braucht nur einer drei Akkorde spielen können und einen Sinn für Melodien haben, schon ist das neue Wunderkind geboren. Die Realität sieht hingegen anders aus, weil die wirklich kreativen Köpfe oftmals im Untergrund, unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit, arbeiten. Zu verquert und zu wenig massenkompatibel ist der Output dieser Ausnahmekünstler. Ausnahmekünstler wie Four Tet aka Kieran Hebden. Zusammen mit Richard D. James (Aphex Twin) bildet er seit Jahren die Spitze in der elektronischen Musiklandschaft. Neben seiner eigenen Musik und der Arbeit als Producer und DJ, war es immer sein außergewöhnliches Talent als Remixer, das ihm in der Szene einen Namen gemacht hat.

Nach nun beinahe 50 Nachbearbeitungen für andere Bands und Künstler, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die besten Ergebnisse auf Platte zu veröffentlichen. "Die besten" ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn Four Tet hat für diesen Anlass persönlich die Auswahl der Tracklist vorgenommen. Auf der Strecke geblieben sind dabei einige große Namen wie The Notwist, Badly Drawn Boy und Doves. Quasi als Bonus gibt es noch eine zweite CD obendrauf. Hier heißt es umgekehrtes Spiel, und eine Reihe von renommierten DJs legt an Four Tets Werken Hand an.

Die Frage, die sich immer stellt: Was macht einen guten Remix eigentlich aus? Besonders bei sowieso schon hittauglichen Songs erweisen sich gelungene Remixarbeiten als nahezu unmöglich. Der Trick liegt darin mindestens viel völlig anders zu machen. Noch besser - man hört die ursprünglichen Elemente höchstens noch als Déjà-Vus heraus. Dadurch entgeht man der Gefahr als bloße Anbiederung verstanden und somit ignoriert zu werden. Leichter gesagt als getan, aber Four Tet wäre nicht Four Tet, wenn nicht zu jedem Song zumindest hundert Ideen in seinem Kopf existieren würden.

Um es sofort klar zu sagen: Gelungen sind sie alle, die Remixe. Da kann man oftmals nur Bauklötze staunen, wenn aus einer seichten Instrumentalnummer wie Lars Horntveths "Tics" durch ein furioses Jazzdrumming und einige verstörende Samples plötzlich ein richtig aufwühlendes Stück wird. Oder wenn Beth Ortons "Carmella" durch ein paar zusätzliche Spielereien der Staub von der Oberfläche gepustet wird. Frischzellenkur mal anders. Bisweilen schafft es Four Tet aber tatsächlich sogar das Original in starke Bedrängnis zu bringen. "Money Folder" der Hip Hop-Formation Madvillain bekommt einen dermaßen tighten Anstrich, dass die Hose ein paar Nummern weniger unter den Kniekehlen hängt. Ein paar Drumloops verleihen Sias "Breathe Me" die Dramatik, die der Ursprungsversion fehlt. Und was aus Bloc Partys "So Here We Are" gemacht wurde ist dann schlichtweg nur noch grandios. Unerträglicher wurde nur selten Spannung aufgebaut. Die Entladung wirkt dafür gleich doppelt so heftig.

Ist die erste CD noch für jeden musikbegeisterten Hörer zumindest erträglich, so sind auf CD 2 nur noch echte Electronicfetischisten gefragt. Vieles geht in einem Mahlstrom aus Samples, Beats und wildem Gefiepe einfach nur noch unter. Aber was will man auch anderes erwarten? Schießlich ist die Musik von Four Tet auch so schon nicht gerade leicht bekömmlich. Da die Doppel-CD aber zum Preis von einer auf den Markt kommen wird, kann man über diese Tatsache locker hinwegsehen. Zuerst "All Engines On Maximum Volume", danach "System Overload".

Benjamin Köhler

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