Rezension

Fionn Regan

The Shadow Of An Empire


Highlights: Catacombs // Genocide Matinee // Violent Demeanour // Lines Written In Winter
Genre: (rockiger) Folk
Sounds Like: Beatles // Bob Dylan // Sufjan Stevens // Lou Reed // Jet

VÖ: 19.02.2010

Fionn Regans hätte mit seinem Debüt „The End Of An History“ kaum einen besseren Start für seine Karriere hinlegen können. Mit seinem Folkalbum irgendwo zwischen Nick Drake und dem jungen Bob Dylan räumte er ein paar Awards im Vereinigten Königreich ab, inklusive dem Choice Musik Award für das beste irische Album des Jahres 2007. Lost Highway Records brachte kurz darauf das Album noch relativ erfolgreich in den USA heraus und seine Songs wurden dort in den einschlägigen Serien wie Grey's Anatomy als Hintergrundmusik missbraucht.

Während Fionn Regan an dem neuen Album „Shadows Of An Empire“ arbeitete, kam es zum Bruch mit seinem Label aufgrund musikalischer Differenzen: "Sometimes when you discuss ­making a record with a record company, everyone draws a sketch of the house". Was war passiert? Fionn wollte neue Wege einschlagen und traf damit nicht den Geschmack von Lost Highway Records. Und als Hörer kann man das Label auch ganz gut verstehen, denn an den Stilwechsel auf dem zweiten Album muss man sich erstmal ein wenig gewöhnen. Welcher böse Teufel hat nur dem tollen Singer/Songwriter seine Akustikgitarre gestohlen und ihn gezwungen, eine E-Gitarre zu benutzen, fragt man sich? Aber das ist nur der Ersteindruck, die Verwunderung über den Wandel. Kurz darauf muss man sich eingestehen, dass die neuen Songs nicht weniger gut ins Ohr gehen als die alten und dass das Ganze immer noch sehr dylanesque ist. Die schmerzlich vermisste Akustikgitarre ist zwar in den Hintergrund getreten, aber eben doch nicht ganz verschwunden. Die Bandarrangements sind sehr stimmig und geben Fionns Songs eine ganz andere Dynamik. Der Aufbau der einzelnen Songs geht weit auseinander, auf ein „Genocide Matinee“ das sehr an Jet erinnert – oder sagen wir an Jet, als sie noch frisch und unverbraucht waren – folgen die ruhigen und melancholischen „Violent Demeanour“ und „Lines Written in Winter“, danach geht’s tanzbar mit „House Detective“ weiter: Was unterm Strich ein unglaublich abwechslungsreiches Album ausmacht, genau so sollte ein Spannungsbogen aussehen.

„Shadow Of An Empire“ ist ebenso zeitlos geworden wie der Vorgänger. Kauft man die Vinylfassung und lässt diese etwas anstauben, kann man damit problemlos seinem Bekanntenkreis eine Entdeckung aus den späten 60ern oder frühen 70ern vortäuschen. Und wenn die Mär vom Liedermacher, der sich gegen seine Plattenfirma stellt und lieber zuhause in Irland das Album in einer alten Keksfabrik aufnimmt, als sich an irgendwelche Konventionen zu halten, keine Pluspunkte bringt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Marcel Eike

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