Rezension

Fionn Regan

100 Acres Of Sycamore


Highlights: 100 Acres Of Sycamore // For A Nightingale // List Of Distractions // North Star Lover
Genre: Folk // Singer-Songwriter
Sounds Like: Leonard Cohen // Sufjan Stevens // Iron & Wine // Damien Rice // Rufus Wainwright // Chris Garneau // Bob Dylan

VÖ: 19.08.2011

Es ist es immer wieder schön zu sehen, wie Lieblingskünstler ihr Können mit neuen Veröffentlichungen aufs Neue unter Beweis stellen. Mindestens genauso erfreulich ist aber der Moment der Erkenntnis, dass Musiker, die man schon fast abgeschrieben hatte, einen mit einem Werk überraschen, das alle Erwartungen übertrifft. Genau diesen Glücksmoment beschert einem der Ire Fionn Regan mit seinem neuen Album „100 Acres Of Sycamore“, das nun gerade mal ein Jahr nach dessen durchwachsenem Americana-Rock-Album „The Shadow Of An Empire“ erscheint, auf das man immerhin vier Jahre warten musste – um dann letztlich doch nur enttäuscht zu werden.

Den Ausweg aus der Schaffenskrise brachte, so klischeebeladen sich das auch anhören mag, die Inspiration durch die Natur. Auf Mallorca hat er diese Songs geschrieben, die vollgepackt sind von Naturmetaphorik, in denen Regan nach Ruhe sucht und sie auch zu finden scheint. „100 Acres Of Sycamore“ ist ein feinfühliges und unaufdringliches Album, ja, so unaufdringlich, dass es so mancher nach einem Hördurchgang beiseite legen wird. Dabei verlangt Regan vom Hörer gar nicht viel. Man muss sich nur die Zeit nehmen, einmal wirklich hinzuhören, was hier passiert. Hinhören, wie Fionn Regan mit seiner sanften Stimme die Melodien phrasiert und die Höhepunkte seiner Gesangslinien zelebriert. Hinhören, wie sich alles zusammenfügt, wie ein Banjo sich feinsinnig dem Geschehen anschließt und Streicher sich allein darauf beschränken, die Atmosphäre der Songs unterstreichen und sich nicht in selbstverliebten Verzierungen verlieren. Hinhören, wie alles in der Luft zu tanzen scheint und es Regan tatsächlich über die gesamte Albumlänge gelingt, diesen schon fast unwirklichen Schwebezustand zu halten, ohne hin und wieder am Boden vorbeizuschrammen.

Nach dem verrauchten Vorgänger kann man auf „100 Acres Of Sycamore“ endlich wieder frei atmen. Fionn Regan nimmt sich immer genau den Raum und die Zeit, die er braucht, was nicht heißen soll, dass hier jeder Song epische Ausmaße annähme. Manchmal reichen schon knapp zwei Minuten aus, um zu sagen, was gesagt werden muss. Dass es Regan tunlichst vermeidet, seine Songs zu breit anzulegen und sich allein in „North Star Lover“, dem großartigen Höhepunkt des Albums, nicht zurückhalten kann, macht sein drittes Werk umso sympathischer. In der Zurückgenommenheit und Beschaulichkeit liegt die wahre Größe dieses Albums.

Kilian Braungart

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"For A Nightingale"

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