Rezension

finn.

I Wish I Was Someone Else


Highlights: Private Dancer // Dancing With Tears In My Eyes
Genre: Folk // Singer-Songwriter
Sounds Like: Elliott Smith // Maximilian Hecker // Patrick Watson // Nick Drake

VÖ: 29.04.2011

„I Wish I Was Someone Else“ ist das letzte Album, das der Hamburger Musiker Patrick Zimmer unter seinem Pseudonym „finn.“ veröffentlicht hat. So viel scheint ihm an diesem Namen und dem zugehörigen Gesicht, welches man mit seiner Musik assoziierte, nicht mehr zu liegen. Allein die Umrisse bleiben auf seinem letzten Albumcover zurück und eigenes Songmaterial will er für finn. auch nicht mehr verschwenden. Stattdessen versucht sich Zimmer – der Albumtitel legt es nahe – an einigen Coverversionen.

Es ist zugegebenermaßen eine reizvolle Herausforderung, aus einigen der unerträglichsten Hits der letzten Jahrzehnte etwas Hörbares herauszuholen. Zimmers Songauswahl erstreckt sich von Ultravox' „Dancing With Tears In My Eyes“ über a-has „Crying In The Rain“ bis zu Tina Turners „Private Dancer“. Sicherlich sind einige der Songs im schlichten Gewand, wie sie Zimmer hier präsentiert, durchaus erträglicher. Zimmer weiß, dass er einen mit seinem verhuschten Gesang, wenn man ruhigen Klängen nicht abgeneigt ist, durchaus für sich gewinnen kann. Schade ist jedoch, dass seine Coverversionen fast alle nach dem selben Konzept funktionieren. Zimmer klimpert die Akkorde auf Klavier oder Gitarre und singt darüber auf seine zurückhaltende Art. Das weiß bei den ersten Songs, die einen mit ihrem intimen Homerecording-Charme einlullen, noch zu gefallen, irgendwann langweilt es einen jedoch nur noch, wenn Zimmer beliebige Charthits immer nach dem selben Muster als außergewöhnliche Neuinterpretationen verkaufen will, indem er sie auf ihr Grundgerüst reduziert und mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung präsentiert.

Der sensible Vortrag der Songs macht sie zwar weniger anstrengend anzuhören, dies ändert jedoch nichts daran, dass man die Melodien totgespielter Hits wie „Love Is In The Air“ einfach nicht mehr hören kann, auch wenn sie noch so gefühlvoll gesungen sein mögen. So geht der wagemutige Versuch Patrick Zimmers viel zu oft nach hinten los, denn er schafft es, dass die Songs auf Albumlänge nicht nur die Nerven des Hörers strapazieren, sondern paradoxerweise zugleich ermüdende Langeweile verbreiten. Da nützt es auch nichts, dass Dirk von Lowtzow in „Crying In The Rain“ finn. gesanglich unter die Arme greift. Allein das bereits erwähnte „Dancing With Tears In My Eyes“ schafft es mit seinem Tom-Waits-Rumpelsound einen kurz aufhorchen zu lassen, bevor es wieder nach altbekanntem Schema Richtung Ende geht. Wenn das wirklich alles ist, was Patrick Zimmer für Finn. noch übrig hat, ist es wohl wirklich besser, dieses Projekt für beendet zu erklären.

Kilian Braungart

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Video zu "Crying In The Rain"

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