Rezension

Field Music

Plumb


Highlights: From Hide And Seek to Heartache // A New Town // (I Keep Thinking About) A New Thing
Genre: Indie-Pop // Fusion Rock
Sounds Like: Schools Of Language // The Week That Was // XTC // The Soundtrack Of Our Lives

VÖ: 17.02.2012

Wenn eine Türe geschlossen wird, dann öffnet sich bekanntlich irgendwo ein Fenster. Es ist diese Redewendung, die Menschen helfen soll, über einen Verlust oder eine verpasste Chance hinwegzukommen. Ob diese Redensart den Menschen allerdings wirklich hilft oder letztendlich einfach nur eine leere Phrase bleibt, soll an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden.

Vielmehr war es genau jene eine Tür, die die Aufnahmen von Field Musics neuestem Werk „Plumb“ maßgeblich beeinflusste. Nach dem Release ihres letzten Albums „Measure“ und der daran anschließenden Tour musste die Band um die Brüder Peter und David Brewis nämlich wahrhaftig mit ansehen, wie sich die Türen ihres einstigen Studios schlossen, in dem sie mehr als zehn Jahre arbeiteten und probten. Doch glücklicherweise sollte dieses Mal besagte Redensart tatsächlich Recht behalten und so stiegen die Briten kurzerhand in ein neues Fenster/Studio ein, um mit „Plumb“ ihr mittlerweile viertes Album aufzunehmen. Eine Änderung, die auf den ersten Blick eher banal erklingt, scheinbar aber doch einen größeren Einfluss auf die Arbeiten am neuesten Release hatte.

Noch bevor man das Album auch nur eine Sekunde angehört hat, sticht einem bereits die erste gravierende Veränderung ins Auge: Erreichte ihr Vorgängeralbum „Measure“ mit einer Gesamtlänge von über 70 Minuten noch den Status einer Doppel-LP, fassen sich die Sunderlander dieses Mal deutlich kürzer und bringen es gerade einmal auf 35 Minuten – und das bei immerhin 15 Songs. Die Tragweite dieser Kürze rückt dann beim Hören des Albums weiter in den Mittelpunkt. Vergleiche mit den Beatles, den Beach Boys oder Fleetwood Mac sind bei den Stücken nicht unbedingt fehl am Platz, vor allem aber klingt „Plumb“ auch deutlich nach School of Language oder The Week That Was, den früheren Bands der Brewis-Brüdern. Komplexe Arrangements mit Einflüssen von Pop, Funk und Art-Rock der 60er/70er Jahre und einer vielseitigen Instrumentierung, angefangen bei Gitarren über Violinen und Bläsern bis hin zu Klavier eröffnen dem Hörer einerseits zwar vielschichtige und variationsreiche Songs, andererseits sind 35 Minuten einfach zu kurz, damit all das wirklich sein volles Potenzial entfalten könnte. Man wird das Gefühl nicht los, dass man von Anfang bis Ende durch das Album gehetzt wird. Gerade noch hat man sich mit einem Part arrangieren können, folgt auch schon der nächste und am Ende läuft man den Songs buchstäblich hinterher.

Vielleicht hätten sich Field Music bei ihren Songs am Ende doch etwas mehr Zeit lassen sollen, so dass man beim Hören des Albums auch die Möglichkeit hat, einen Zugang zu den Stücken zu bekommen, um letztendlich nicht vor verschlossenen Türen stehen bleiben zu müssen.

Benjamin Schneider

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