Rezension

Fanfarlo

Reservoir


Highlights: I'm A Pilot // Luna // Drowning Men // Harold T. Wilkins, Or How To Wait For A Very Long Time // Finish Line
Genre: Indie // Folk
Sounds Like: Arcade Fire // Beirut // Get Well Soon // Freelance Whales // Clap Your Hands Say Yeah

VÖ: 26.03.2010

Fanfarlo kommen genau zum richtigen Zeitpunkt. Oder dürstet es uns alle nicht mal wieder nach einer Indie-Band, die es versteht, nicht nur schlaue, sondern vor allem auch hemmungslos leidenschaftliche Musik zu machen? Musik, die die ganze Welt umarmen will, die das Hymnische sucht, das aufgesetzt Thetralische vermeidet und beim Hörer diese wohlige Wärme schafft, wie es sonst nur Bands wie Arcade Fire oder Beirut gelingt?

Damit wären dann auch die ersten Referenzen genannt, die einem beim Hören des Debütalbums dieser jungen Londoner Band in den Sinn kommen. Vor allem der Gesang des aus Schweden stammenden Kopfs der Band, Simon Balthazar, lässt einen an Win Butler denken. Fast jeder Song entlädt sich in einem Arcade-Fire-typischen Crescendo, und gerne gibt wie bei Beirut eine Trompete die zentrale Melodie vor, um die herum sich die Songs aufbauen. Manch einer mag sich nun vielleicht fragen, wieso man bei solch offensichtlichen Ähnlichkeiten nicht gleich auf das Original zurückgreifen sollte. Nun, trotz der offensichtlichen Vorbilder schaffen es Fanfarlo, jedem Moment dieses Albums ihre ganz eigene Handschrift mitzugeben. Außerdem weiß die Band ganz genau, dass Streicher, Bläser, Glockenspiele und Chorgesänge nur die halbe Miete sind. Entscheidend ist gutes Songwriting – und hierauf versteht sich Balthazar ausgezeichnet. Erstaunlich reif und ausgewogen sind die Songs angelegt, die Harmoniewechsel und Übergänge sind wohlüberlegt. Hinzu kommt, dass nahezu jeder Song so viele musikalische Ideen in sich trägt, dass man auch durchaus mehr Songs aus dem Material hätte machen können. Vermutlich ist dies auch einer der Gründe, warum „Reservoir“ eine solch kurzweilige Angelegenheit ist. Dass dieses Album trotz seines bemerkenswerten Abwechslungsreichtums nicht nur wie eine beliebige Sammlung von Songs klingt, ist nicht zuletzt Produzent Peter Katis zu verdanken, der der Band hilft, ihren warmen Sound zu finden, der sich von den ersten Singles der Band deutlich unterscheidet.

Trotz der Reichhaltigkeit von „Reservoir“ ist es ein Leichtes, sich schnell mit Fanfarlos Musik anzufreunden. Manchmal hat man das Gefühl, dass die Songs zu leicht ihre Stärken preisgeben. In mundgerechten Häppchen bekommt man eine Melodie nach der anderen serviert und wird nur wenig gefordert. Dennoch verliert das Album selbst nach unzähligen Durchläufen nicht seinen Reiz. Man muss nur die ersten Töne von „I’m A Pliot“ hören, und schon hat einen die dichte Atmosphäre von „Reservoir“ wieder in ihren Bann gezogen. Wie auch immer Fanfarlo das hinbekommen haben – man muss ihnen dankbar sein für dieses wunderschöne Album, das weit mehr ist als ein Zeitvertreib bis zum nächsten Werk von Arcade Fire.

Kilian Braungart

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