Rezension

Ed Sheeran

X (Multiply)


Highlights: Sing // Don't // Runaway
Genre: Pop
Sounds Like: Passenger // Jason Mraz // Justin Timberlake // Paolo Nutini

VÖ: 20.06.2014

Böse Zungen könnten behaupten: Ed Sheeran hat zwei prototypische Songs. Das wäre nun keineswegs unbedingt abwertend gemeint – andere Bands bestreiten erfolgreiche Karrieren nur mit einem. Doch bei Ed Sheeran gibt es entweder ungeheuer sanfte und einfühlsame, ruhige Akustikgitarrensongs, auf denen seine Stimme einen Engel wie einen gröhlenden Onkelz-Fan klingen lässt oder jene stark von Hiphop und R'n'B inspirierte Songs, auf denen er rappt und sich live gar selbst samplet. Oder es gibt Songs im weiten Feld dazwischen.

Wären oben genannte Zungen noch böser, könnten sie darauf hinweisen, dass sich vom Erstling „+“ zum Nachfolger „X“ kaum etwas geändert haben kann – schließlich ist selbst der Albumtitel bis auf eine ca. 45°-Drehung identisch. Klar, irgendwo haben sie auch Recht. Schlecht muss das ja auch nicht sein: Einen solch zerbrechlichen Liebesschwur wie den Opener „One“ kann wahrscheinlich auch nur eine Frau ignorieren, die in ihrer Freizeit dann auch Eichhörnchen anzündet; und auch wenn Streicher und Klavier auf „Afire Love“ wohl wirklich etwas dick aufgetragen sind, darf man sich so etwas auf einem Song für den toten Großvater wohl auch erlauben. Im Gegenteil zu manchen Lyrics anderer Stücke wie „Tenerife Sea“ oder „Photograph“ übrigens: "Loving can heal, loving can mend your soul, but it's the only thing I know?" Alter!

Zwar steht Sheeran das andere Extrem auch nicht immer – für komplett authentischen R'n'B oder Rapeinlagen wie in „The Man“ ist der Brite dann eben doch etwas zu sehr Weißbrot –, doch verleiht das Falsett zumindest „Don't“ einen angenehmen Alleinstellungsfaktor. Und ganz im Ernst – „Runaway“ hätte auch Justin Timberlake kaum besser hinbekommen. So ist „X“ zwar immer noch eindeutig ein Album, das sich ein Radiosender genauso beim Weihnachtsmann gewünscht haben könnte und wird wohl auch genau deswegen manche abschrecken – besser und abwechslungsreicher als vieles andere auf den Wellenlängen von NDR bis Bayern 1 ist es dennoch.

Jan Martens

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