Rezension

Douglas Dare

Whelm


Highlights: Clockwork // Caroline // Unrest // Lungful // Swim
Genre: Singer/Songwriter // Neo-Klassik // Elektro-Pop
Sounds Like: Thom Yorke // James Blake // Perfume Genius // Rufus Wainwright

VÖ: 16.05.2014

Bereits im vergangenen Spätjahr begeisterte uns Douglas Dare mit seiner „Seven Hours“-EP. Umso schöner, dass die Wartezeit bis zu seinem ersten Album verhältnismäßig kurz ausfiel. Die Aufnahmen liefen halt einfach wie am Schnürchen. Der junge Brite und seine rechte Hand Fabian Prynn quartierten sich im Studio der Produzentenlegende Flood (u.a. Depeche Mode, Nine Inch Nails, PJ Harvey) ein und nach gerade einmal drei Monaten war „Whelm“ dann auch schon fertig. Es ist ein regelrechtes Kunstwerk geworden – aber ein Kunstwerk mit viel Persönlichkeit.

Herzstück von „Whelm“ sind die Nine Poems: Kurzprosa und Gedichte, die Douglas Dare musikalisch vertont und zu einem Album geformt hat. Die Texte umfassen dabei Themen wie die Magdalenenheime in Irland („Whitewash“) oder den Mechanismus von Antikythera („Clockwork“), einem antiken, analogen Computer. „Schwere Kost“ würden die Klitschkos vermutlich dazu sagen, doch weit gefehlt. Dare trägt in einfacher Sprache seine Zeilen vor und der Interpretationsspielraum ist gewaltig. Die Texte werden für die meisten eine ganz eigene Bedeutung haben, was die Bindung zu den Songs nur noch verstärkt.

Musikalisch behält Douglas Dare das Konzept der EP bei, von der es einzig „Lungful“ auf das Album geschafft hat. Das Klavier gibt mit wundervollen Melodiebögen den Ton an und führt noch einmal vor Augen, warum die Verbindung Erased Tapes und Douglas Dare so passend ist. Dazu gesellen sich vereinzelte elektronische Elemente und wirklich sagenhafte Percussion, die den Songs Dynamik verleiht, ohne die Intimität zu stören. Schubladendenker werden dabei natürlich sofort auf James Blake und Thom Yorke verweisen und liegen damit nicht einmal falsch. Dare ist allerdings hörbar stärker in seiner klassischen Grundausbildung verwurzelt.

„Whelm“ erfüllt die hohen Erwartungen, die man im Vorfeld haben durfte. Vielleicht fehlt deshalb so ein wenig der Überraschungseffekt. Mit solcher Kritik würde man allerdings einem großartigen Album (und wir sprechen hier von einem Debüt-Album!) Unrecht tun, denn Douglas Dare macht so ziemlich alles richtig, was man richtig machen kann. „Whelm“ hält den Hörer gefangen mit fantastischem Songwriting, einem einnehmenden Flow, der die Songreihenfolge irrelevant erscheinen lässt, und nicht zuletzt mit außergewöhnlicher Lyrik.

Benjamin Köhler

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