Rezension

Disturbed

Indestructible


Highlights: Deceiver // The Curse // Torn // Divide
Genre: Stadionmetal
Sounds Like: Soil // Godsmack // Drowning Pool

VÖ: 30.05.2008

"War das wirklich nötig?", so die Antwort eines Forenmitgliedes nach Ankündigung des neuen Disturbed-Albums. Was genau er damit ansprechen wollte, darüber kann man spekulieren; sollte er die Notwendigkeit dieser Platte gemeint haben, so lautet die Antwort einfach und umfassend: Nein, war es nicht. Zumindest nicht so, wie sich die Band hier auf ihrem vierten Album präsentiert. Dazu kommt auch noch dieses Cover. Als hätte man Eddy der unsäglichen Iron Maiden kopieren wollen, prangt nun eine stählerne Comicfigur mit viel Feuer und leuchtenden Augen auf dem Booklet.

Musikalisch gesehen waren Disturbed für die einen schon immer zu sehr Mainstreammetal, absoluter Durchschnitt, die Axt im Walde zwar, aber es blieb beim selektiven Holzeinschlag. Andere schätzten genau diese Eingängigkeit, die Disturbed wohl zu einer der wenigen radiokompatiblen Bands dieses Genres machten. Von Anfang an schufen Disturbed nur drei- bis vierminütige Hymnen für das Faustballen gegen alles und jeden und das reichte ja auch, „Down With The Sickness“, „Voices“ oder sogar krude 80er-Coverversionen („Shout“, „Land Of Confusion“) rockten gewaltig. „Indestructible“ versucht dort weiterzumachen, allerdings scheitert der Versuch schon im Ansatz. Trotz der Fortsetzung des Konzeptes, möglichst kurze, prägnante Songnamen zu wählen („Criminal“, „Divide“, „Enough“) und dort hinein pathosreiche Texte zu legen, gepaart mit mittelharten Riffs und ordentlich Geboller fehlt dieses Mal eindeutig der Faktor Wiedererkennungswert. So kurz diese Beschreibung auch ausfallen mag, so sehr ist doch damit alles gesagt. Es hätte wohl niemand von der Band ein hochkomplexes Meisterwerk an progressivem Metal erwartet, eine Fortführung des bisherigen Kurses auf ungefähr diesem Niveau hätte schon ausgereicht. Aber maximalmögliche gleichförmige Eindimensionalität aus jedem Song zu holen, ist dann doch etwas zu übertrieben.

Euphemistisch könnte man sagen, die Platte wäre durchweg homogen, oder dass jeder Song auf der Platte die nächste Single sein könnte. Jedes Stück auf dem Album klingt irgendwie gleich. Disturbed spielen sich zwar solide durch die 12 Stücke der Platte, aber das allein reicht nicht aus. Ob man nun zu Song Nummer sechs Skipt, ihm den Titel von Nummer zwei gibt oder gerade der Doublebass aus Song zehn rumpelt, passiert ist zwischendrin nichts. Das mag auch daran liegen, dass Sänger David Draiman wirklich immer in der gleichen Tonlage und Geschwindigkeit singt. Die Auswahl der Highlights erfolgte daher auch durch Zufallsprinzip samt Lottofee. Allein der guten Vermarktungsstrategie der Plattenfirma wird es wohl zu verdanken sein, dass auch „Indestructible“ wieder sofort auf Platz 1 der US-Charts springen wird.

Klaus Porst

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