Rezension

Deftones

Diamond Eyes


Highlights: Royal // You've Seen The Butcher // Prince // Seytape // Risk
Genre: Alternative
Sounds Like: Team Sleep // A Perfect Circle // Cave In // Chevelle

VÖ: 30.04.2010

Sind die Deftones eigentlich die einzige Band, die es über die Endneunziger geschafft hat und immer noch Relevanz besitzt? Wenn man mal so darüber nachdenkt, wie viele Bands dieser Zeit sich vollkommen zugrunde gerichtet haben: Smashing Pumpkins, Korn, Rage Against The Machine, Filter... Von dem ganzen Nu-Metal-Abschaum mal ganz zu schweigen, mit dem die Deftones immer völlig zu unrecht in einen Topf geschmissen wurden.

Selbstverständlich war es ja nicht, dass man sich diese Frage immer noch stellen darf. Nach dem schweren Unfall von Bassist Chi Cheng stand die Band kurz vor dem Aus. Doch die Deftones machten weiter, auch wenn das, dem Bandkodex folgend, bedeutete, ein beinahe schon komplett eingespieltes Album mit dem Titel „Eros“ erstmal wieder auf Eis zu legen. Cheng war ein Teil dieser Platte und somit war es für die Deftones auch nicht denkbar, „Eros“ ohne ihn zu veröffentlichen oder gar damit zu touren. Also wurde kurzerhand „Diamond Eyes“ eingespielt.

Man durfte natürlich berechtigte Bedenken haben, ob ein so aus der Not geborenes Album überhaupt im hohen Qualitätsmaßstab der Band mithalten kann, ganz besonders, nachdem „Saturday Night Wrist“ eine geradezu unverschämt gute Platte geworden war. Nach dem Hören von „Diamond Eyes“ muss man sich selbst fragen: Wie konnte man daran ernsthaft zweifeln? Auch Album Nummer Sechs vereinigt eigentlich alles, was man an den Deftones immer zu schätzen wusste: Killerriffs („Royal“), Killerriffs („Rocket Skates“), Killerriffs („Diamond Eyes“), harte, aber unglaublich melodiöse Hymnen („Prince“, „Risk“) und natürlich diese spezielle Atmosphäre, die wieder einmal alle Songs auszeichnet.

Hinzu kommen auch bei „Diamond Eyes“ neue Elemente, die zeigen, dass die Band bei weitem noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen zu sein scheint. „Beauty School“ und „Sextape“ sind beispielsweise schon regelrechte Balladen. Letztere versucht Billy Corgan schon seit zehn Jahren erfolglos zu schreiben. Aber auch die Midtempo-Dampfwalze „You´ve Seen The Butcher“ klingt im ersten Moment etwas ungewohnt, fügt sich aber letztendlich dennoch nahtlos in ein Album ohne Ausfall ein. „Diamond Eyes“ ist ein weiterer großer Wurf (unter den Voraussetzungen), der lediglich daran zu knabbern hat, dass es die Band noch besser kann. Vielleicht zeigt sie das ja schon wieder mit „Eros“. In Vergessenheit geraten wird sie jedenfalls auch nach dieser Platte nicht.

Benjamin Köhler

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