Rezension

Deerhunter

Fading Frontier


Highlights: Living My Life // Breaker // Snakeskin
Genre: Indie // Rock // Dreampop
Sounds Like: Atlas Sound // Real Estate // Lotus Plaza

VÖ: 16.10.2015

„Fading Frontiers“ markiere das Ende einer Ära für Deerhunter, ist allerorten zu lesen. Die Band werde erwachsen, sei nun dreißig. Die weirden Zeiten (mit Platten wie „Weird Era Cont.“) seien vorbei. Großer, amerikanischer Rock, crowdpleasing music, das sei die neue Zeit der Band um Bradford Cox. Dreißig sei ein „brutales Ende der Jugend“, schreibt sogar ein Blog. Ehrlich gesagt ist das extrem übertrieben bis hin zu grobem Unfug. Dreißig ist auch nur eine Zahl, die Bradford Cox wahrscheinlich nicht wirklich interessieren wird, und Deerhunter sind immer noch Nerds, und „Fading Frontiers“ nicht das Ende einer Ära, sondern ihr logischer nächster Schritt.

Was mit dem Ende der Ära wohl gemeint sein mag, ist, dass „Fading Frontiers“ vor allem im Vergleich zum Vorgänger „Monomania“ extrem clean, poppig, nicht übersteuert und schön anzuhören ist. Deerhunter wollten einmal in ihrer Bandgeschichte eine Platte machen, die sich „jeder Mensch gerne anhört“. Und so ist die Platte etwas Besonderes, das Ende einer Ära, aber nur, was den Klang angeht. Denn was die Songs angeht, so sind es wie immer: großartige Popsongs. Das war auf "Monomania" nicht anders, nur anders verpackt. „Halcyon Digest“ war auch hauptsächlich einfach großartige Musik, relativ frei von Schubladendenken, und klar, „Microcastle // Weird Era Cont.“ war schon etwas weirder, aber die Songs waren schon immer astreine, intelligente, keinesfalls beliebige, aber oft eingängige Popsongs.

Auf „Fading Frontiers“ sind sie nun so eingängig aufgenommen wie nie zuvor, mitunter vom Klang beinah an Bands wie Real Estate erinnernd, nur bei Weitem elektronischer. Dass Deerhunter irgendwann einmal auf die Idee kommen, ihre Popmusik auch genauso aufzunehmen, war zu erwarten. „Living My Life“ ist programmatisch für die Platte, auch inhaltlich, denn Deerhunter machen einfach ihr Ding. Ein cleaner, feiner Popsong, die elektronischen Elemente nicht zu penetrant, als dass man nun sagen könnte, Deerhunter seien in dieses hippe, "wir verwenden nun auch Synthies"-mäßige Ding abgedriftet. Das Highlight der Platte und eines der Band insgesamt folgt sogleich – „Breaker“. Der Refrain des Songs ist einer der Sorte, an der man sich gar nicht satthören kann – was für großartige Musik.

So bleiben Deerhunter auch mit „Fading Frontiers“ eine der auf Platte spannendsten Bands unserer Zeit, immer für eine Überraschung zu haben, aber mit der Sicherheit, dass sie weiterhin für eine Menge großartiger Songs gut sind. Völlig unabhängig davon, wie diese nun klingen. Und das ist vielleicht das Schönste an dieser Band: Dass sie sich nicht in Schubladen stecken lässt, sondern einfach richtig feine Musik machen will, und das auch ganz vorzüglich schafft.

Daniel Waldhuber

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