Rezension

Cymbals Eat Guitars

Pretty Years


Highlights: Finally // Wish // Beam // Shrine
Genre: Indie-Rock
Sounds Like: Titus Andronicus // Pavement // Cloud Nothings

VÖ: 16.09.2016

Fast wäre es nichts geworden mit Album Nummer vier. Joseph D’Agostino, Kopf und Mastermind von Cymbals Eat Guitars, plagten ganz schlimme Gedanken. Seine besten Jahre hätte er gar nicht bewusst mitbekommen, da er zu sehr mit der Band und vor allen Dingen mit dem Touren beschäftigt gewesen sei. Lieber Joseph, lass dir gesagt sein: es gibt schlimmere Zeitverschwendung als ein gutes Album nach dem anderen zu veröffentlichen und die Welt zu bereisen. Außerdem ist es ganz normal, dass Männer, die hart auf die 30 zusteuern, schon mal eine absurde Midlife-Crisis mitnehmen.

Hat er schließlich auch eingesehen und die neue Platte dann auch gleich trotzig „Pretty Years“ benannt. Jetzt erst recht! Musikalisch ist es dann auch direkt das bisher ausgereifteste Werk von Cymbals Eat Guitars geworden. Manche Fans dürften teilweise erst mal ein wenig erstaunt sein. Mit opulenter, lauter und aufwändiger Instrumentierung hat sich die Band eine Frischzellenkur verpasst. Vom reservierten Sound ist nicht viel übrig geblieben. Stattdessen spielt das Quartett aus NY wie befreit auf.

Man traut sich jetzt auch echte Indie-Pop-Nummern wie „Have A Heart“ (Gotye lässt grüßen) oder „Wish“ zu. Und warum auch nicht? Solange das Songwriting so durchdacht und melodiedurchtränkt ist, bitte mehr davon! Bevor jetzt aber jemand „Sellout!“ schreit: Cymbals Eat Guitars bleiben trotzdem außergewöhnlich. Gerade weil sie sich weiterhin nicht in irgendwelche Schubladen stecken lassen. Ein wenig Indie-Rock hier, ein bisschen Post-Punk da und mit „Beam“ ist sogar ein richtig rotziger Punk-Song vertreten. Lange verweilt man nirgendwo.

Es ist relativ selten, dass man eine Band sich so klar und deutlich von Album zu Album weiterentwickeln sieht. Bei Cymbals Eat Guitars ist dies der Fall. Spätestens mit „Pretty Years“ sollte dann endgültig der Sprung zu den besten amerikanischen Rockbands geschafft sein. Und sei es nur, weil man den Geniestreich geschafft hat, die Melodie aus „Come As You Are“ auf völlig unpeinliche Art und Weise in einem eigenen Song zu zitieren („Mallwalking“).

Benjamin Köhler

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