Rezension

Crystal Stilts

In Love With Oblivion


Highlights: Sycamore Tree // Shake The Shackles // Invisible City // Prometheus At Large
Genre: Psychedelic // Post-Punk // Dream-Pop
Sounds Like: The Horrors // The Doors // The Jesus And Mary Chain // My Bloody Valentine

VÖ: 15.04.2011

Wie schwierig es ist, sich als Band aus Brooklyn gegen die örtliche Konkurrenz durchzusetzen, mussten die Crystal Stilts mit ihrem Debütalbum „Alight Of Night“ am eigenen Leib erfahren. Trotz nahezu Durchgängig guter Kritiken blieb der erwartete Hype irgendwie aus – ganz im Gegensatz zu anderen Kollegen aus der Künstler-Enklave wie zum Beispiel MGMT, Vampire Weekend oder Grizzly Bear. Der wahre Grund ist nicht so recht klar, schließlich stand die Band mit ihrem düsteren Post-Punk-Sound inklusive Psychedelic-Touch genretechnisch ziemlich alleine da. Drei Jahre später wollen es die Crystal Stilts jedenfalls noch mal wissen. Ob es dieses Mal wohl gelingt?

Zumindest kann man den New Yorkern sicher nicht vorwerfen, dass sie musikalisch nicht alles dafür getan hätten. Die Songs auf „In Love With Oblivion“ lassen durchweg eine deutliche Entwicklung erkennen. Neben einem neuerlichen Hang zum Dream-Pop zeugen insbesondere die weit in den Vordergrund gerückten 60s-Gitarren davon, dass man einiges versucht hat. Versuche, die man durchweg als gelungen bezeichnen kann. Die Crystal Stilts liefern elf Songs lang zum Teil atemberaubende Melodieteppiche, die trotz ihrer Reduziertheit sehr mächtig daherkommen und kaum Platz zum Atmen lassen. Dies liegt zum großen Teil auch an der Orgel, die buchstäblich jede Sekunde des kompletten Albums zu hören ist.

Je länger „In Love With Oblivion“ voranschreitet, desto deutlicher wird allerdings wieder ein Problem, mit welchem bereits der Vorgänger zu kämpfen hatte. So gut Brad Hargetts Grabesstimme aus dem Off auch bei vielen Songs funktioniert, so sehr geht sie auch bei einigen Stücken unglaublich auf die Nerven. Nicht selten ertappt man sich bei dem Wunsch, der olle Nöhlhans möge einfach mal die Klappe halten. Etwas mehr stimmliche Varianz könnte die letzte Zutat für ein wirklich tolles Album sein und dass Hargett es drauf hat, beweisen Songs wie „Shake The Shackles“ oder „Invisible City“.

Nichtsdestotrotz lässt die hohe Aufmerksamkeit im Vorfeld des Releases vermuten, dass die Eingangsfrage im zweiten Anlauf dennoch mit „Ja“ beantwortet werden kann. Ganz unverdient ist das sicher nicht, denn die Crystal Stilts sind definitiv auf dem richtigen Weg und in jeder anderen Stadt dieses Planeten wären sie vermutlich schon die absoluten Lokalhelden. Außerdem ist es recht unwahrscheinlich, dass die Band nach diesem Album locker lässt, schließlich weiß sie ganz genau: der Big Apple kann zuweilen ganz schön sauer schmecken.

Benjamin Köhler

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