Rezension
Crocodiles
Sleep Forever
Highlights: All My Hate And My Hexes Are For You // Girl In Black
Genre: Noise-Pop // Garage // No-Wave // Shoegaze
Sounds Like: Jesus And Mary Chain // Suicide // Black Rebel Motorcycle Club
VÖ: 14.09.2010
Nach einem ziemlich durchwachsenen bis missratenem Debut, das jedoch immerhin No Age zur Missionarsarbeit veranlasste, sollten die Crocodiles eine zweite Gelegenheit bekommen, sich zu beweisen. Die kam dieses Jahr prompt in Form von „Sleep Forever“, dem Nachfolgewerk, gerichtet an all die Sleepy Heads da draußen, die musikalisch bis in alle Zeiten dem Shoegaze nachtrauern, sich deswegen frustriert dem Noise zuwenden, um aus lauter Verdrossenheit gegenüber der Avantgarde zurück zu schlichteren Songstruktur, basierend auf einem oder zwei Akkorden, zu stoßen. Allzuviele werden das sicherlich nicht sein. Doch auch beim Nachfolgewerk der Crocodiles ist das Naheliegendste wohl zunächst ein nicht totzuschweigender Plagiatsvorwurf. Es ist, als käme im Aktionshaus Cristy’s ein gefälschtes Werk unter den Hammer, bei welchem sich alle Kunstexperten darauf einigen, dass es sich doch keinesfalls um echte Kunst handeln kann. „Sind das jetzt Jesus And The Mary Chain oder nicht? Sie klingen irgendwie so, irgendwie viel zu sehr so. Das ist doch nicht echt!“ Ganz werden die Crocodiles das Attribut "Fake-Nummer" auch auf dem zweiten Album nicht los werden. Hochgradig irrelevant sind sicherlich einige Songs des Albums, die sich auch durch nette Verstrickungen, die wohl so etwas wie das Gesamtkunstwerkliche verdeutlichen sollen, nicht kaschieren lassen. Bis hier hin also bestenfalls Note Vier-Bis-Fünf für „Sleep Forever“.
Warum es dennoch zu mehr gereicht? Warum es dennoch besprochen werden musste? Weil zum einen James Ford der Simian Mobile Disco, welcher das Album produzierte, die Komplexität mehrerer Tonspuren vielleicht besser durchdringt oder versteht, den Raum öffnet für Tiefe und Weite der Klänge und so die Musik der Crocodiles bereichert. Zum anderen, weil das Plumpe und Aufgesetzte der crocodil'schen und eklektisches Art Noise-Pop somit teilweise durchbrochen wurde. “All My Hate And My Hexes Are For You” besitzt nichts als einen Drumcomputer und einen Synthesizer und ragt vielleicht gerade deswegen aus dem Album heraus. Scheinbar paradox: Der Song ist schlichter und trotzdem komplexer als frühere Songs. Das wiederum erinnert verdammt an Suicides „Keep Your Dreams“. Also, mal wieder geklaut. Ja, das können sie, die Crocodiles. Dass Kunstfälscher heimlich verehrt wurden, hat ja aber mindestens ebenso lang Tradition wie es den Kunsthandel gibt. Und immerhin ist „Mirrors“ ein Song, der am ehesten den Stil der Crocodiles selbst trifft. Der ist alles andere als schlecht.
Fassen wir zusammen: Weniger Pose, mehr Substanz, mehr No-Wave. Dann verdienen sich die Crocodiles mit ihrem dritten Album womöglich auch Bestnoten.
Finden
Bye-Bye
Am 5. Januar 2021 haben wir éclat eingestellt. Mehr Infos hierzu gibt es auf unserer Startseite!





