Rezension

Champs

Vamala


Highlights: Desire // Sophia // 3,000 Miles // Blood
Genre: Indie-Pop
Sounds Like: Coldplay // Hurts // Arthur Beatrice

VÖ: 20.02.2015

Das Debüt-Album der Brüder Michael und David Champion ging im vergangenen Jahr ein wenig unter. Die Frage ist nur: warum eigentlich? „Down Like Gold“ war voll von diesen Popmomenten, bei denen Melodie-affine Menschen eigentlich mit freudig erregtem Zeigefinger auf den Repeat-Knopf hämmern. Was beim ersten Versuch nicht klappt, klappt aber vielleicht beim zweiten Mal, werden sich die Champs gedacht haben und legen mit „Vamala“ gleich eine weitere Platte nach, die in die gleiche Kerbe haut.

Schon nach den ersten paar Songs wird dabei klar, dass das Duo von der Isle Of Wight sogar noch einmal die Stellschrauben in Sachen Songwriting angezogen hat. „Desire“ oder „Sophia“ sind fast schon kalkulierte Songs, die in ihrem simplen Strophe-Refrain-Muster nur ein Ziel verfolgen: sich bei den Hörern im Kopf festsetzen. Dazu servieren die Champs unaufgeregten Synthiepop und einen Duettgesang, der eigenartig und doch auf eine bestimmte Art und Weise interessant klingt. Nüchtern betrachtet kann man der Band daher überhaupt keinen Vorwurf machen, denn sie hat verstanden, wie Pop funktioniert und dieses auf „Vamala“ hervorragend umgesetzt.

Je länger man sich allerdings mit den Champs auseinandersetzt, desto deutlicher wird, woran es eventuell bei dem ein oder anderen haken könnte. Die Songs kommen in perfektem Radio-Format daher, haben die perfekte Länge von 3-4 Minuten und der zuckersüße Pop könnte gar nicht perfekter arrangiert und instrumentiert sein. All das hat zur Folge, dass sich auf Dauer ein leichter Nervfaktor einschleichen kann. Dann klingt es eben nicht mehr schön, wenn Michael und David Champion in höchsten Tönen schwelgen, sondern einfach nur noch wehleidig und wehleidige Männer kann einfach niemand mögen.

„Vamala“ ist eine dieser typischen Stimmungs-Platten. Sie hat gleichermaßen das Potenzial Melodie-Giganten wie Coldplay oder Hurts die Rücklichter zu zeigen, wie auch unheimlich auf den Geist zu gehen. Da wir aber schließlich alle mündige Musikliebhaber sind, wissen wir natürlich, wann wir die Champs auflegen können. Oder etwa nicht?

Benjamin Köhler

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