Rezension

Boys Noize

Oi Oi Oi


Highlights: & Down // Deny Selected // Frau
Genre: Electroclash
Sounds Like: Justice // Digitalism // Daft Punk // Soulwax

VÖ: 14.09.2007

Hedonistischer Raverock und kein Ende. Boys Noize (Alexander Ridha, auch Kid Alex) dreht dabei die Schraube noch einmal ein wenig weiter im Vergleich zu den Kollegen von (z. B.) Digitalism. Wo er als Kid Alex den Electroclash-Pop möglichst massentauglich verpackte, wählt Ridha hier den entgegengesetzten Weg. Wie bei den bisherigen Rave-Hypes des Jahres werden die elektronischen Spielereien knarzend und (scheinbar) analog zusammengemischt und mit einem zur Wiederbelebung geeigneten Bass serviert. Ganz im Sinne des Titels „OiOiOi“ werden Intensität und Geschwindigkeit der Herzmassage erhöht, und auf jedwede poppige Spielereien, wie sie bei Justice überall mitklingen, verzichtet Boys Noize komplett.

Momente, in denen das Tempo vielleicht reduziert ist – und die dann sofort einmal mehr die Assoziation Daft Punk heraufbeschwören („Let’s Buy Happiness) –, solche Momente gehen unter in dieser Platte, deren einziges Ziel tatsächlich zu sein scheint, voll auf die Zwölf zu gehen. Entsprechend stellt sich hier, wie bei allen Vorgängern dieses Jahr, nach spätestens der Hälfte doch eine gehörige Ermüdung ein, was jedoch in keiner Weise als Kritikpunkt gewertet werden kann. „OiOiOi“ deutet in Titel und Cover schon an, es will kein Album zum nebenher hören sein. Die Intensität der Stücke erfordert einen ähnlichen Kraftaufwand in der eigenen Beschäftigung. Ob Tanzen oder Über-die-Autobahn-Rasen macht dabei keinen Unterschied.

Betrachte ich den Output des Electro-Clash ’07, präsentieren sich alle Platten in einer langweiligen Eintönigkeit. Dies ändert aber wenig daran, dass alle Alben für sich betrachtet das leisten – bei aller Einfachheit und inzwischen Traditionalität – , wofür sie gedacht sind . Sie putschen dich auf, erfüllen dich mit Energie, die losgelassen werden will. Das schafft Boys Noize in besonderem Maße und insofern spricht wenig gegen eine Fortsetzung des Rave-Hypes. außer vielleicht, dass hinter Boysnoize Records nicht ein solches Promotion-Budget steht, wie hinter Justice, Ed Banger, Vice oder Warner. Was bleibt? Auf in den Club die Sau raus lassen und vergessen, es gibt wichtigeres.

PS: Dass nun der Boys Noize Remix von Feists „My Moon My Man“ als Bonus auf die CD gepresst wird, verbessert natürlich die Aussichten für „OiOiOi“.

Oliver Bothe

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